"Soll ich eine offene Beziehung ansprechen?"

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Während Remy dauernd spitz ist, will seine Frau nichts mehr wissen von Sex.

Frage von Remy (41) an Doktor Sex: Ich bin verheiratet und habe zwei Kinder. In der Beziehung ist alles so weit super, nur bin ich einfach immer spitz, meine Frau aber gar nicht mehr. Ich will sie auf keinen Fall verlieren, trotzdem möchte ich einfach mehr Sex. Weil ich mich extrem vor einer Ansteckung mit dem HI-Virus fürchte, bin ich bisher nicht zum Bordellgänger geworden. Ich träume oft von einer Geliebten. Oder denke, dass es vielleicht eine Frau gibt, der es gleich geht wie mir und die auch vermehrt ihre sexuellen Wünsche ausleben möchte.

Ich weiß aber, dass meiner Frau "der Laden runtergehen würde", wenn ich ihr gegenüber den Wunsch äußern würde, mir Sex außerhalb der Beziehung zu holen. Mit ihr kann man darüber nicht diskutieren. Ihre sture, konservative und prüde Haltung stört mich extrem. Heute würde ich mich nicht mehr auf sie einlassen, denn ich glaube nicht mehr daran, dass sich solche Unterschiede in der Werthaltung mit der Zeit ausgleichen. Bevor die Kinder kamen, hatten wir mehr Sex, sonst wäre ich damals abgehauen. Gibt es für uns eine Lösung? Wie soll ich vorgehen? Macht es Sinn, eine offene Beziehung anzusprechen?

Antwort von Doktor Sex

Lieber Remy

"Es gibt keine Lösung, weil es kein Problem gibt." Diese Aussage des Künstlers Marcel Duchamp kommt mir in den Sinn, wenn ich deine Frage lese. Sinnlaut übersetzt bedeutet sie, dass die Lösung eines Problems davon abhängt, wie das Problem definiert wird. Oder noch grundsätzlicher: Wo darauf verzichtet wird, etwas als Problem zu sehen, entsteht auch nicht der Anspruch, eine Lösung (er)finden zu müssen.

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Indem du deine Frau als stur, konservativ und prüde bezeichnest, was zusammengefasst nichts Anderes bedeutet als "sie ist nicht wandlungs- und lernfähig", und indem du es zudem als gegeben betrachtest, dass sie nicht mit dir darüber diskutieren wird, dir Sex außerhalb der Beziehung zu holen, machst du eine sehr enge Problemdefinition und schränkst entsprechend die Zahl der Lösungsmöglichkeiten ebenfalls massiv ein.

Grob stehen dir vor diesem Hintergrund folgende drei Möglichkeiten zur Verfügung. Erstens: Alles bleibt, wie es ist, und du ergibst dich deinem Schicksal, hast also keinen Sex mehr. Zweitens: Du überwindest deine Angst vor einer Ansteckung mit einer sexuell übertragbaren Krankheit und kaufst dir heimlich Sex bei einer Prostituierten. Oder drittens: Du findest die erträumte Geliebte und holst dir bei und mit ihr, was dir zu Hause fehlt.

Um den Raum für mögliche Lösungen zu erweitern, schlage ich dir vor, dein Konzept von Beziehung zu überdenken und insbesondere deine Haltung deiner Frau gegenüber zu verändern. Letzteres scheint mir die Grundvoraussetzung für eine echte Lösung zu sein. Falls du weiterhin so abschätzig über sie denken willst, scheint es mir naheliegender, dich von ihr zu trennen und dein Glück in einer neuen Beziehung zu suchen. Alles Gute!

Deine Frage an Doktor Sex: doktor.sex@heute.at (wer)

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