"Spectre": Besser als Quantum, aber kein Skyfall

Schon seit Wochen läuft die PR-Maschinerie für den neuen Bond der Superlative "Spectre". Der Film ist länger und teurer als jeder Bond zuvor. Es wurde gemunkelt, das 24. Abenteuer des britischen Agenten könnte das beste sein. Diese Hoffnung wird enttäuscht. "Spectre" ist nicht schlecht, aber blutleer. Nach einem tollen Beginn geht dem Film die Puste aus.
Schon seit Wochen läuft die PR-Maschinerie für den neuen Bond der Superlative "Spectre". Der Film ist länger und teurer als jeder Bond zuvor. Es wurde gemunkelt, das 24. Abenteuer des britischen Agenten könnte das beste sein. Diese Hoffnung wird enttäuscht. "Spectre" ist nicht schlecht, aber blutleer. Nach einem tollen Beginn geht dem Film die Puste aus.  

Über den Österreichbezug und dass der Film fast 22 Minuten lang in der Steiermark und Tirol spielt, wurde Dabei wird in heimischen Medien gern übersehen, dass Mexiko-City für die Dreharbeiten ganze Stadtteile sperrte. Auch in Rom und Tanger und natürlich London wurde gedreht. Leider ist Quantität nicht das gleiche wie Qualität. 

Viele Köche verderben den Brei

Die Zahl an Autoren für das Drehbuch verhießt nichts gutes. Und die Befürchtungen bewahrheiteten sich. Die einzelnen Szenen sind oft ausgezeichnet, aber ein wenig zusammenhanglos zusammengestöpselt. Einige Sequenzen lassen Fragen offen oder sind für die Handlung einfach nicht relevant.

Anspielungen auf andere Bond-Filme, in früheren 007-Abenteuern perfekt für einen Lacher, wirken in "Spectre" an den Haaren herbeigezogen. Obwohl der Film 148 Minuten dauert, hat man oft das Gefühl, die Szenen, die ein wenig Hintergrundinfo bieten und dem Film zu einem logischen Ablauf verhelfen würden, wären rausgeschnitten worden. Auch witziges Geplänkel kommt viel zu kurz. Es gibt wenige wirklich lustige Stellen. 

Böses Omen: Bond verzichtet auf Sex

"Spectre" fängt vielversprechend an: Die erste Szene in Mexiko City ist actionreich, nimmt eine überraschende Wendung und gipfelt in einem Lacher. Daraufhin sind die Hoffnungen groß und man hofft auf eine Fortsetzung des großartigen "Skyfall". Ein erster böser Verdacht kommt auf, als sich Bond ein Schäferstündchen entgehen lässt. Der legendäre Frauenheld lässt die sexy Schönheit im Bett liegen. Stattdessen steigt er beim Fenster hinaus und sorgt in einer spektakulären Szene dafür, dass ein Haus zusammenkracht. Dann jedoch, anstatt sein Versprechen zu halten und ins Schlafzimmer zurückzukehren, sieht man nie wieder etwas von der enttäuschten Frau.

Waltz als Psychopath ohne Stehvermögen

Diese Saft- und Kraftlosigkeit zieht sich durch den ganzen Film. Explosionen, so groß sie auch sein mögen, schaffen es nicht einmal, die Frisur des Bond Girls durcheinander zu bringen. Es dauert ewig, bis endlich der heiß ersehnte Bösewicht, gespielt von Christoph Waltz, auftaucht. Leider bleibt auch er hinter den - zugegeben sehr hohen - Erwartungen zurück. In einer einzigen Szene schafft es Waltz herrlich psychopatisch zu sein, inklusive irrem Lacher und perversen Foltermethoden. Leider hat man die übrige Zeit das Gefühl einen ein wenig müden Abklatsch von Hans Landa in "Inglorious Basterds", seiner Paraderolle, zu sehen.

"Spectre" kann "Skyfall" nicht toppen

Wäre "Spectre" nach dem grottenschlechten "Quäntchen Trost" (Bond Nr. 22) rausgekommen, hätte man sich über ihn gefreut. Allerdings kam stattdessen "Skyfall", der beste Bond aller Zeiten in die Kinos. "Spectre" mit seinen inhaltlichen und Abfolge-Schwächen kann da nicht mithalten. Das große Budget kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Film nicht oft richtig in die Gänge kommt und selten witzig ist. Bond und Waltz wirken zwischenzeitlich als hätten sie eigentlich gar keine Lust. Weder dazu, die Welt zu erobern, noch, sie zu retten.

 
 
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