"Stoker": Mia Wasikowska mag es blutig

Bild: abc-films

Mit dem Psychothriller "Stoker" feiert der Schauspieler Wentworth Millers sein Debüt als Drehbuchautor. Über acht Jahre hat Miller daran gearbeitet und wurde schon im Vorfeld belohnt: Das Drehbuch landete 2010 auf der berüchtigten 'Black List', der inoffiziellen Liste der besten noch nicht produzierten Filme.

Mit dem Psychothriller feiert der Schauspieler Wentworth Millers sein Debüt als Drehbuchautor. Über acht Jahre hat Miller daran gearbeitet und wurde schon im Vorfeld belohnt: Das Drehbuch landete 2010 auf der berüchtigten 'Black List', der inoffiziellen Liste der besten noch nicht produzierten Filme.

Das Drama "Stoker" erzählt eine mysteriöse Familiengeschichte: An India Stokers (Mia Wasikowska) 18. Geburtstag kommt ihr geliebter Vater Richard (Dermot Mulroney) bei einem Autounfall ums Leben. Bei der Beerdigung taucht plötzlich sein Bruder Charlie (Matthew Goode) auf und zieht anschließend bei India und ihrer psychisch labilen Mutter Evelyn (Nicole Kidman) ein. Weil India bis dahin von Charlies Existenz nichts wusste, misstraut sie ihm - gleichzeitig ist sie aber auch unglaublich fasziniert von dem neuen Familienmitglied.

Doch schon bald findet India heraus, dass sich hinter Onkel Charlies charmanter Art ein grausames Geheimnis verbirgt - und dass sie mit ihm mehr gemeinsam hat, als sie dachte. Genau wie Charlie hat India eine extrem ausgebildete Auffassungsgabe, sie hört und sieht Dinge viel genauer als normale Menschen. Dieses Gefühl wird für den Zuschauer sowohl auf der hörbaren Ebene als auch auf visueller hergestellt. Insgesamt wird die Handlung über Bilder statt über große Dialoge transportiert. Das gelingt dem in Arthouse-Kreisen bekannten südkoreanischen Regisseur Park Chan-Wook bei seinem Hollywood-Debüt mit zahlreichen Nahaufnahmen, die es ermöglichen, die Figuren mikroskopisch genau zu beobachten. Dabei ist die Kameraarbeit sehr präzise und zeichnet sich besonders durch das akribisch genaue Verschachteln von Szenen aus: So verbindet Park parallel laufende Handlungselemente durch viele schnelle Schnitte fließend. Dafür verwendet er meist ein kleines Detail. Diese Gleichzeitigkeit der Handlungsebenen steigert die Spannung enorm.

Auch mit der Besetzung lagen die Macher von "Stoker" goldrichtig: Mia Wasikowska spielt die introvertierte und rätselhafte India Stoker so überzeugend, das einem bei ihrer neu entdeckten Brutalität manchmal der Atem stockt. Besonders schön bei Matthew Goodes Darstellung des Onkel Charlie ist, dass er ihn nicht eindimensional böse mimt: Er meistert den Spagat zwischen dem charmanten Fremden und dem gefährlichen Psychopaten mit Bravour. Auch Nicole Kidman weiß in ihrer Rolle als psychisch labile Mutter mit gestörtem Verhältnis zu ihrer Tochter zu überzeugen.

Insgesamt kommt beim Zuschauen aber immer wieder eine Frage auf: Worin liegt Indias Motivation für ihr Handeln? Darauf gibt die ansonsten gut gestrickte Geschichte keine ausreichende Antwort und lässt manchen Zuschauer so mit dem Gefühl zurück, einfach nur viel unbegründet vergossenes Blut gesehen zu haben. Abgesehen von dieser deutlichen Schwäche ist man bei 'Stoker' in bester Hitchcock-Manier gut unterhalten - Wentworth Miller gab nicht umsonst in einem Interview Hitchcocks "Im Schatten des Zweifels" als direkten Einfluss auf sein Drehbuch an. Und da gab es auch einen zwielichtigen Onkel Charlie.

Kinostart in den österreischischen Kinos ist am 10. Mai 2013

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