"Super-Hypochonder" ist privat "nicht so verrückt"

Bild: Lunafilm
In Frankreich kennt jeder sein Gesicht, hierzulande jeder seinen Dialekt: Mit "Willkommen bei den Sch'tis" landete der französische Schauspieler, Regisseur und Komiker Dany Boon 2008 einen europaweiten Kino-Hit. In seiner neuen Komödie "Super-Hypochonder" (ab 10.4. im Kino) widmet er sich der Angst vor Bazillen - und spielt damit fast sich selbst, wie Boon anlässlich der Premiere in Wien verriet.
In Frankreich kennt jeder sein Gesicht, hierzulande jeder seinen Dialekt: Mit "Willkommen bei den Sch'tis" landete der französische Schauspieler, Regisseur und Komiker 2008 einen europaweiten Kino-Hit. In seiner neuen Komödie "Super-Hypochonder" (ab 10.4. im Kino) widmet er sich der Angst vor Bazillen - und spielt damit fast sich selbst, wie Boon anlässlich der Premiere in Wien

verriet.

Für Romain Faubert (Boon) ist die Mikrobe der Feind und sein geduldiger Arzt Dimitri Zvenka (Kad Merad) der beste Freund. Mit beinahe 40 Jahren und panischer Angst vor jeglichen Bazillen fällt Romain die Suche nach der großen Liebe dementsprechend schwer. Um den anstrengenden Patienten loszuwerden, will Dimitri ihn beim Ausflug in eine Krankenstation für Flüchtlinge einer Schocktherapie unterziehen. Doch durch eine abstruse Verwechslung hält Dimitris hübsche Schwester Anne (Alice Pol) dort den eingebildeten Kranken für den heldenhaften Revolutionsführer Anton Miroslav aus ihrer Heimat Tscherkistan und nimmt ihn mit nach Hause. Romain spielt mit - und vergisst in der Verliebtheit glatt auf seine Phobien.

Schlechte Patienten

Mit "Super-Hypochonder" tritt Dany Boon bereits zum vierten Mal als Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller zutage. Die Titelfigur sei ihm sehr ähnlich, "auch wenn ich nicht ganz so verrückt bin", so Boon im APA-Gespräch anlässlich der Filmpremiere beim Auftakt des (1. bis 10. April) im Wiener Gartenbaukino. Sein eigener Arzt habe ihn mit der Aussage zum Drehbuch inspiriert, dass "Schauspieler sich speziell schwer damit tun, Patienten zu sein". "Wir glauben, wir wüssten alles und hätten alles unter Kontrolle und sobald wir ein Symptom haben, geben wir es in unsere Smartphones ein", so der 47-Jährige.

Dany Boon liegt es näher, aus seiner eigenen Realität gegriffene Geschichten zu erzählen - wie mit den "Sch'tis", wo der Nordfranzose die Klischees und den Dialekt seiner Heimatregion aufs Korn nahm. Auf Politik lasse er sich nicht ein, "für mich sind das zwei verschiedene Welten". Eine politische Botschaft lasse sich dennoch in seinen Filmen finden, greift der Sohn eines algerischen Fernfahrers doch auch in "Super-Hypochonder" das Thema Identität auf und kreiert mit Tscherkistan einen "fiktiven südeuropäischen Staat", in dem die Menschen "rein zufällig" Ukrainisch sprechen.

Konstruierter Slapstick

Verknüpft mit Flüchtlingsthematik und einer abstrusen Verwechslungs-Story wirkt der neue Film des Erfolgsregisseurs zwar gar konstruiert und kann mit seinem Überhang zu billigem Klamauk nicht mit den Vorgängerfilmen wie zuletzt "Nichts zu verzollen" (2011) mithalten. Unbestritten bleibt aber Boons Talent zu Situationskomik und beispielloser Mimik. "Die Figur ist meiner Bühnenfigur näher, da ich viel Slapstick auf der Bühne mache", so der Comedian, der die Bühne und den direkten Kontakt zum Publikum vermisse. Das wird wohl auch weiter so bleiben: Mit "The Ambassadors" inszeniert er demnächst seinen ersten Hollywood-Film. Ob er darin auch eine Rolle übernimmt, sei noch unklar. "Ich bin da vorsichtig, weil es mein erster englischsprachiger Film als französischer Regisseur in Hollywood ist. Das verlangt mir genug Konzentration ab."

APA/Red.
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