"Tatort": Prügel-Polizisten schlugen zu

Bild: Hagen Keller (BR)

Der gelungene Münchener "Tatort - Macht und Ohnmacht" wagte sich auf ein heikles Thema vor und zeigte, wie Polizisten selbst zu Gewalttätern werden können. Trotz dieses nicht ganz seichten Schwerpunktthemas schafften es die Macher des Krimis, auch noch den Gastauftritt von Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl gekonnt in die Handlung einzuflechten.

Der gelungene Münchener "Tatort - Macht und Ohnmacht" wagte sich auf ein heikles Thema vor und zeigte, wie Polizisten selbst zu Gewalttätern werden können. Trotz dieses nicht ganz seichten Schwerpunktthemas schafften es die Macher des Krimis, auch noch den Gastauftritt von Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl gekonnt in die Handlung einzuflechten.

Nachdem ein Kioskbesitzer bei einem Überfall ins Koma geprügelt wurde, liefern sich die Polizeibeamten um Revierchef Lechner (Emilio De Marchi) eine wilde Verfolgungsjagd mit den Tätern. Einem davon verdreht ein Polizist brutal den Arm. Ein anderer Beamter schlägt mit Fausthieben wahllos auf einen weiteren ein, bis er grün und blau ist.

Ex-Kollege klinkt sich in Ermittlungen ein

Kurz darauf wird der Zeuge und Informant ermordet, den Lechner mit aller Macht zur Aussage gegen die Täter zwingen wollte. Aber auch Lechner selbst wird bald tot aufgefunden - erhängt im Wald. Zusammen mit ihrem Ex-Kollegen Menzinger, der gerade in München auf Stippvisite ist, stoßen die Kommissare auf ein Video. Der Clip zeigt, wie Lechner und weitere Kollegen auf den Schwager des getöteten Informanten einprügeln, weil dieser seine Frau regelmäßig misshandelt, die Polizisten ihn dafür aber nie dingfest machen konnten.

Doch wer hat das Video gedreht? So wie die Kommissare waren auch die an der Prügel-Aktion gegen den Schwager beteiligten Polizisten zunächst von einem Erpresservideo des Informanten ausgegangen und befürchteten aufzufliegen. Eine verheerende Fehlannahme, die sowohl den Selbstmord von einem weiteren Prügel-Polizisten wie auch die Morde an dem Informanten und Revierchef Lechner zur Folge hatte.

"Polizeibrutalität in Ausnahmefällen"

Trotz der Vielschichtigkeit des Krimis ist es den Machern um Produzent Michael Polle gelungen, alle Ebenen und Charaktere schlüssig miteinander zu verweben. Gleichzeitig kam die Botschaft eindrücklich rüber, dass Polizisten, die Straftäter wegen fehlender Beweise wieder laufen lassen müssen, zu Selbstjustiz neigen und damit zu Gewalttätern werden können.

Angesichts der erschreckenden Bilder muss klargestellt werden, dass gewalttätige Übergriffe von Polizisten hier keineswegs als Alltagsphänomen dargestellt werden sollte: "Es war uns wichtig, Polizeibrutalität in Ausnahmesituationen nachvollziehbar zu machen", erklärt Polle. Andererseits zeigen Berichte wie von Amnesty International, dass Polizeigewalt auch hierzulande keineswegs nur Einzelfälle sind - was dem Thema des Bayern-"Tatorts" umso mehr Relevanz verleiht.

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch.
Nav-Account red Time| Akt:

ThemaCreated with Sketch.Weiterlesen