"Unter Alkohol spüre ich meinen Penis nicht!"

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Julia hat einen liebevollen Freund. Weil es beim Sex aber Probleme gibt, hat sie ihm gegenüber regelmäßig ein schlechtes Gewissen. Doktor Sex weiß Rat.
Frage von Nino an Doktor Sex: Ich (40) bin in einer festen Beziehung und sehr glücklich mit meiner Freundin. Den Sex mit ihr genieße ich sehr. Ich würde sagen, dass es der beste Sex ist, den ich je hatte. Wir können uns gegenseitig offen und ehrlich unsere Wünsche und Bedürfnisse mitteilen. Mein Problem ist, dass ich während dem Sex immer fantasieren muss, damit ich zum Orgasmus kommen kann. Und auch auf die Stellung kommt es für mich sehr an. Wenn ich beispielsweise stehe, komme ich meistens nicht, da ich mich in dieser Position total verkrampfe. Ich versuche zwar jedes Mal, mich nur auf meine körperlichen Empfindungen, Gefühle und die Zärtlichkeiten einzulassen, die mir meine Freundin gibt. Aber irgendwie klappt es einfach nicht. Am schlimmsten ist es, wenn ich unter Alkoholeinfluss stehe oder Medikamente genommen habe. Dann habe ich fast gar kein Gefühl mehr im Penis. Meine Freundin denkt, dass sie etwas falsch macht oder ich sie nicht mehr reizvoll finde. Das stimmt aber überhaupt nicht. Habe ich ein neurologisches Problem?

Antwort von Doktor Sex

Lieber Nino

Ob die von dir beschriebenen Symptome auf eine Erkrankung zurückzuführen sind, kann ich nicht beurteilen. Falls du dies genau wissen willst, empfehle ich dir, dich bei deinem Hausarzt oder bei einem Neurologen zu einer Untersuchung anzumelden. Da das Taubheitsgefühl auch in Zusammenhang mit der Einnahme von Medikamenten auftritt, scheint es mir sinnvoll, mit der ärztlichen Fachperson Rücksprache zu nehmen, die dir diese verschrieben hat. Möglicherweise handelt es sich bei den Symptomen nämlich um eine Nebenwirkung, die eine Veränderung der Medikation erforderte.

Mehrere der von dir geschilderten Symptome habe ich auch schon von anderen Männern gehört. Ich denke daher, dass es sich eher nicht um eine Erkrankung handelt. Der Konsum von Alkohol wirkt sich bei allen Menschen dämpfend auf die Empfindungsfähigkeit aus – je höher die Menge, desto stärker. Auch die Stellung beim Sex hat bei den meisten einen entscheidenden Einfluss auf die Körperwahrnehmung und damit auf die Orgasmusfähigkeit. Einerseits, weil die Intensität der Stimulation der Geschlechtsorgane je nach Stellung anders ist, andererseits, weil die für einige Stellungen erforderliche Körperspannung zu einer Reduktion der Empfindung führt.

Ich vermute, dass der zentrale Grund für deine Schwierigkeit, zum Orgasmus zu kommen, darin liegt, dass du dich an eine Form gewöhnt hast, die eine intensive Stimulation des Penis voraussetzt und gleichzeitig an sexuell aufgeladenen Fantasien geknüpft ist. Wahrscheinlich ist es möglich, durch eine Veränderung der Technik mit der Zeit leichter zum Höhepunkt zu kommen. Versuche, beim Sex ganz loszulassen, also keinerlei Spannung im Körper aufzubauen, die nicht für die Bewegung an sich notwendig ist. So vermeidest du eine Verdichtung der Energie im Penis.

CommentCreated with Sketch.1 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Achte zudem auf eine entspannte Atmung. Bei den meisten Menschen führt zunehmende Erregung zu einer flachen, gepressten Atmung. Diese und die damit einhergehende Leidenschaft machen ein fließend-ekstatisches Wahrnehmen unmöglich und reduzieren damit die Orgasmusfähigkeit. Wichtig ist, dass du deine Freundin im Vorfeld über dein Vorhaben informierst, so dass sie den gleichen Fokus einnehmen kann. Ziel der ganzen Sache ist aber nicht primär der Orgasmus, sondern der entspannte Sex. Alles andere fügt sich dann von selbst. Viel Spaß beim Ausprobieren!

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