"Vater bestand darauf, dass ich Deutsch lerne"

Mona studiert heute in Wien erfolgreich Publizistik.
Mona studiert heute in Wien erfolgreich Publizistik.Bild: Helmut Graf
2004 muss Mona mit ihrer Mama Ägypten verlassen, in Wien findet sie eine neue Heimat. Die Muslima studiert hier Publizistik und bloggt.
Um der Familie ein besseres Leben bieten zu können, verlässt Monas Vater 1996 sein Heimatland Ägypten – seine Frau und seine Tochter, Mona war damals ein Baby, musste er zurücklassen. Erst acht Jahre später gelingt es Monas Vater, die Familie nachzuholen. "Für mich war das neue Leben in Österreich ein Schock, es war eine völlig andere Welt", erzählt Mona heute. "Ich habe mir damals sehr schwer getan, ich konnte die Sprache nicht, hatte deshalb keine Freunde."

Der Vater trieb die Familie an: "Ich habe es damals nicht verstanden, warum wir ständig Deutschkurse besuchen mussten, heute bin ich meinem Papa unendlich dankbar." Innerhalb kürzester Zeit lernte Mona Deutsch, wohl auch weil der Papa daheim darauf bestanden hatte, kein Arabisch zu sprechen und verboten hatte, arabisches TV zu schauen. Nur deutsche Kanäle waren erlaubt.

"Meine Eltern haben immer an mich geglaubt, mich immer bestärkt. Als ich in der vierten Klasse Volkschule war, zweifelte meine Lehrerin daran, dass es Sinn macht, mich auf das Gymnasium zu schicken." Für Monas Vater kam die Hauptschule nicht in frage: "Das Kind geht aufs Gymnasium."

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch. Mona studiert erfolgreich Publizistik

Heute studiert Mona (21) erfolgreich Publizistik, bloggt und ist eine selbstbewusste, strahlend schöne Muslima. Ihr Kopftuch trägt sie seit ihrem 15. Lebensjahr mit Stolz: "Ich wollte schon mit elf das Kopftuch, doch meine Mutter erlaubte es nicht." Mona scheiterte damals, weil sie als Grund angab, eine große Frau sein zu wollen. "Ich hatte das in der Moschee bei den Frauen gesehen, die trugen es. Ich wollte einfach dazugehören."

Das religiöse Symbol auf ihrem Haupt hat der jungen Muslima auch schmerzhafte Erinnerungen eingebracht: "Ich wurde auch schon wegen des Kopftuchs angespuckt." Was Mona aber wirklich in Rage bringt: Statt mit ihr zu diskutieren laufen die Menschen nach ihren Anfeindungen einfach weg.

Statt am Abend wegzugehen, verbringt die Wienerin, sie lebt in Meidling, ihre Zeit lieber mit Büchern: "Ich gehe nicht gerne weg, widme mein Leben lieber etwas sinnvollerem." Für die Zukunft wünscht sich Mona mehr Toleranz: "Leben und leben lassen, dass wäre schön."

Nav-Account heute.at Time| Akt:
WienNewsWienFlüchtlingeAsylIsabella Martens

ThemaCreated with Sketch.Weiterlesen