"Was nützt Digitalisierung, wenn ich kein Geld habe?"

Palantir-CEO Alexander Karp, Bundeskanzler Christian Kern und Moderator Nikolaus Pelinka beim "Darwin's Circle" in Wien.
Palantir-CEO Alexander Karp, Bundeskanzler Christian Kern und Moderator Nikolaus Pelinka beim "Darwin's Circle" in Wien.Bild: Klaus Ranger
Bei der exzellent besetzten IT-Konferenz "Darwin's Circle" diskutierte Bundeskanzler Kern mit Digital-Tycoon Alexander Karp über die Chancen und Gefahren der Digitalisierung.
Im Haus der Industrie am Wiener Schwarzenbergplatz trafen sich am Donnerstag Spitzenmanager aus Politik, Wirtschaft und IT-Szene zur Digitalisierungskonferenz „Darwin's Circle". Bundeskanzler Gristien Kern (SPÖ), Konzernchefs internationaler IT-Unternehmen und IT-Experten traten bei der Veranstaltung auf. Facebook, Google, Alibaba, Palantir, Airbnb, BMW oder IBM waren bei dem Top-Event vertreten, der von Nikolaus Pelinka und Rudi Kobza organisiert wurde.

Kern für Kooperation zwischen Staat und Startups

Kanzler Kern sprach sich vor allem für eine enge Zusammenarbeit von Staat und Markt aus. „Staat und Markt sind keine Gegensätze", so Kern. „Ohne staatliche Grundlagenforschung gäbe es kein iPhone", so Kern. Der Staat könne vor allem helfen, „die Risiken der Grundlagenforschung zu nehmen", so Kern.

"40 Prozent der Jobs, die zuletzt neu entstanden sind, kommen aus Neugründungen, viele davon sind Start-ups", sagt der Kanzler. Es sei eine Illusion, dass man die Digitalisierung bremsen könne. In Österreich dürfe es aber zu keinem Wettbewerb der niedrigsten Sozial- und Umweltstandards kommen. „Österreich kann mit seinem Wirtschaftsaufschwung keinen Billiglohnwettkampf gewinnen", so Kern. Man könne nur dort bestehen, wo man „besser und innovativer als andere" sei.

CommentCreated with Sketch. zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. "Sozialer Zusammenhalt"

Zentrale Frage für Kern bleibe, wie „wir den Wandel nutzen und dabei auf den sozialen Zusammenhalt schauen". Nur die Harmonisierung von staatlichen und privaten Initiativen hätte das Entstehen der großen digitalen Ökosysteme ermöglicht, so Kern. Seine Beispiele: das Silicon Valley oder die Start-Up Szene in Israel.

Palantir-CEO Alexander Karp
Palantir-CEO Alexander Karp
Hausherr Georg Kapsch: Es gibt keine "digitale Revolution"

Hausherr und IV-Präsident Georg Kapsch wehrte sich in seinem Eingangsstatement gegen den Ausdruck „digitale Revolution": Vielmehr sei es eine "Evolution", die vor Jahrzehnten begonnen habe. Der einzige Unterschied zu früher sei, dass sich heute das Tempo rasant erhöhe.

Als jemand, der vor Jahrzehnten „in gewisser Weise" selber ein Start-up geschaffen habe, betonte er den Unterschied zwischen Realwirtschaft und Start-ups. Ein Markt, in dem Start-ups binnen kürzester Zeit enorm an Wert zulegen, könne nicht im Interesse eine nachhaltigen Wirtschaft sein.

Kern und Kapsch einer Meinung

Hier waren Kapsch und Kern einer Meinung: Den Wettlauf um die Zukunft könne die Gesellschaft nur gewinnen, wenn man trotz Digitalisierung den „sozialen Zusammenhalt" nicht aus den Augen verliere. Allerdings müsse man mehr auf die Eigenverantwortung Einzelner setzen, meinte der IV-Präsident.

IT-Tycoon als verkappter Sozialdemokrat



Nikolaus Pelinka von Darwin's Circle moderierte dann die Anschlussdiskussion zwischen Kern und „Palantir Technologies"-Chef Alexander Karp, der sich als verkappter Sozialdemokrat outete.

Big-Data-Spezialist „Palantir Technologies" wurde ursprünglich mit dem Fokus auf Terrorismus-Prävention im öffentlichen Sektor gegründet. Heute analysiert Palantir in sämtlichen Bereichen der Wirtschaft große Datenmengen. Überwachungsspezialist Palantir, bei dem Ex-SP-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas arbeitet, ist auch für US-Geheimdienste wie die NSA aktiv.

"Ich bin eher schüchtern"

Von Moderator Nikolaus Pelinka darauf angesprochen, wieso er eher selten Interviews gebe, antwortete der geheimnisvolle Silicon-Valley-Tycoon mit einem Augenzwinkern: "Das ist nicht so mein Ding, ich bin eher schüchtern. Und das Geschäft läuft so auch gut."

Karp räumte ein, dass eine wilde Digitalisierung Gefahren berge. Die erste Etappe der Digitalisierung habe Europa laut Karp eher benachteiligt. Nun gehe es aber darum, eine Verschmelzung von Digital- und Realwirtschaft anzustreben. Dabei habe Europa gute Karten. Karp: "Ich kenne kaum ein Land, in dem die Menschen so gebildet und fleißig sind wie in Österreich."

Digitalisiert, aber pleite



Kerns Befürchtung, die Digitalisierung produziere potenziell Verlierer, teilte Karp. Die Digitalisierung biete zwar enorme Chancen. "Aber was habe ich davon, wenn ich keine Geld habe?", fragt Karp.

(GP)

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