"Wenn sie sich verspätet, drehe ich durch!"

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Tinu leidet an geradezu krankhaftem Misstrauen. In jedem möglichen Moment vermutet er, dass seine Freundin ihn betrügt. Was tun?

Frage von Tinu (25) an Doktor Sex:Ich bin seit vier Jahren in meiner ersten Beziehung. Wir teilen viele Ansichten und ergänzen uns gut. Trotzdem werde ich schnell misstrauisch. Wenn meine Freundin allein ausgeht oder sich zehn Minuten verspätet, drehe ich fast durch. Ich denke dann sofort, dass sie mich betrügt. Es fehlt mir an Vertrauen und ich will immer alles wissen. Dies, obwohl es nie etwas gab, was mein Misstrauen rechtfertigen würde.

Je mehr ich mich mit dem Problem beschäftige oder darüber nachdenke, desto mehr versinke ich in Unsicherheit. Wir haben schon darüber gesprochen. Sie ist sehr verständnisvoll und versucht, mich zu unterstützen und mir Sicherheit zu geben. Diese Gespräche sind immer sehr hilfreich. Aber ich merke, dass ich eine große Belastung für diese Beziehung bin.

In meiner Familie ist sehr viel betrogen worden. Meine Eltern haben sich deshalb auch scheiden lassen. Ich habe bereits viel über dieses Phänomen gelesen und herausgefunden, dass die Aussichten auf eine gute und gesunde Beziehung mit diesem Hintergrund sehr schlecht sind. Zudem habe ich gehört, dass es um den Selbstwert der betroffenen Person geht. Ich möchte etwas ändern, weiss aber nicht wie. Was kann ich tun?

Antwort von Doktor Sex

Lieber Tinu

Krankhafte Eifersucht und starkes Misstrauen können für alle Betroffenen sehr leidvoll sein und auf Dauer eine Beziehung komplett zerstören. Es ist daher wichtig, vorbehaltlos aufzudecken, wie man mit diesen Phänomenen umgeht und welche Konzepte man anwendet. Der Hang zum Selbstbetrug ist diesbezüglich nämlich sehr verbreitet.

So glauben beispielsweise manche Menschen, dass Verlustängste und die daraus resultierende Eifersucht zu einer «richtigen» Liebe dazugehören. Sie seien, so wird behauptet, das Salz in der Suppe einer Beziehung und würden beweisen, dass der Partner oder die Partnerin einem wichtig ist und am Herzen liegt. Zusammensein ist aber auch ohne diese Emotionen möglich.

Der erste Schritt zur Veränderung ist, voll und ganz die Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen – also damit aufzuhören, mit äusseren Umständen zu hadern und diese für das eigene Leid verantwortlich zu machen. Denn solange man sich als "Opfer" erlebt, ist man versucht, die Lösung beim «Täter», also draussen in der Welt zu suchen.

Ob jemand eifersüchtig oder misstrauisch ist, hängt weitgehend von den frühen Beziehungen, also der Kindheit und Jugend einer Person ab. Und davon, wie sie diese Verbindung zu anderen Menschen, die ja in der ersten Zeit von einer grossen Abhängigkeit gekennzeichnet ist, erlebt und welche Prägungen diese Erfahrungen hinterlassen haben.

Du scheinst diesbezüglich einige Belastungen und auch Brüche erlebt zu haben. Ich rate dir deshalb, dir fachliche Unterstützung zu holen. Sinnvoll könnte ein Setting sein, in welchem du in Einzelsitzungen deinen Erfahrungshintergrund aufarbeitest. Es sollte aber gleichzeitig auch die Möglichkeit bieten, dass ihr euch als Paar Werkzeuge im Umgang mit Besitzansprüchen und Eifersucht erarbeiten könnt. Alles Gute!

Deine Frage an Doktor Sex: doktor.sex@heute.at

(wer)

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