,Werkbank muss gleich viel wert sein wie Schulbank'

NÖAAB-FCG-Spitzenkandidat Josef Hager im "Heute"-Interview: "Am meisten macht mir Freude, wenn ich mit den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern persönlich über Ihre Anliegen sprechen kann."
NÖAAB-FCG-Spitzenkandidat Josef Hager im "Heute"-Interview: "Am meisten macht mir Freude, wenn ich mit den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern persönlich über Ihre Anliegen sprechen kann."Bild: Erich Wessely
Vor der AK-Wahl in NÖ vom 20. März bis 2. April spricht Arbeiterkammer-Vizepräsident Josef Hager in „Heute" über Pendlerpauschale, „persönlichen Feiertag" und die Attraktivierung der Lehre.
"Heute": Was sagen Sie zur aktuellen Karfreitags-Regelung der Bundesregierung und zum „persönlichen Feiertag", eine gute Lösung?

Josef Hager: Bisher war der Karfreitag in Österreich weder ein großes Thema und schon gar kein Problem. 96 % der Österreicherinnen und Österreicher hat es nie betroffen. Aufgrund der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes ist es aber jetzt zum Thema geworden. Natürlich hätte ich mir einen Feiertag für alle gewünscht, aber es konnte gemeinsam eine Lösung gefunden werden, die für jeden gleich ist.



"Heute": Sie waren über 14 Jahre Filialleiter bei einem dm-Drogeriemarkt. Welche besonderen Herausforderungen gibt es im Handel?

Hager: Die Herausforderung ist ganz klar der rasant wachsende Online-Handel. Zudem entstehen im Zuge der Digitalisierung innovative Geschäftsmodelle. Davon kann und muss der stationäre Handel lernen, wenn er dauerhaft gegen die Online-Anbieter bestehen möchte.

"Heute": Was ist Ihr Ziel bei der AK-Wahl, wieviel Prozent wollen Sie mit der NÖAAB-FCG-Fraktion erreichen?

Hager: Wenn wir schon über Prozente reden, dann sollte es unser aller Ziel sein, dass wir die Wahlbeteiligung von 2014 mit nur 40,91 Prozent heben, indem wir die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Niederösterreich informieren, wie wichtig die Wahl ist, und mobilisieren, ihre Stimme abzugeben. Wir als Liste 2 „Volkspartei Niederösterreich NÖAAB-FCG" wollen die Wählerinnen und Wähler von uns überzeugen. Wir brauchen mehr Miteinander in der Arbeiterkammer.



"Heute": Thema Zivildienst: Können Sie ausführen, wie Sie sich das vorstellen, um mehr Zivildiener wieder im Land zu haben?

Hager: Ich glaube nicht, dass wirklich alle, die bei der Stellung untauglich sind, den Dienst an der Waffe zu leisten, ebenso untauglich sind, einen Dienst an der Menschlichkeit, zu leisten. Die derzeitige Tauglichkeitssystematik sollte überdacht werden. Wir leben in einem Land, wo gottseidank Freiwilligkeit stark gelebt wird und sich viele junge und auch ältere Menschen für die Gesellschaft engagieren. Ich bin mir sicher, dass wir jungen Menschen nicht den Weg für einen Zivildienst mit dieser überholten Tauglichkeitssystematik versperren sollten.



CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch. "Heute": NÖ ist ein Land der Pendler, welche konkreten Forderungen haben Sie, um diese zu unterstützen?

Hager: Im Zuge der geplanten Steuerreform fordern wir auch Änderungen bei den Fahrtkosten zur Arbeit. Die Höhe der Pendlerentschädigung soll sich künftig nach der tatsächlichen Länge des Arbeitsweges richten: 0,25 Euro für jeden Kilometer Arbeitsweg. Auch Teilzeitkräfte sollen besser berücksichtigt werden. All jene, die keine Steuern zahlen, sollen vom errechneten Beitrag ihres tatsächlichen Arbeitsweges netto 30 Prozent als Pendlerprämie erhalten.



"Heute": Sie betonen, dass Ihnen das Thema Lehre ein großes Anliegen ist. Welche Anreize kann man schaffen, um mehr Lehrlinge auch hinsichtlich der fehlenden Fachkräfte zu bekommen?

Hager: Mit diversen Initiativen von Bund und Land wurde schon viel dafür getan, die Lehre attraktiver zu machen. Maßnahmen, die wir unterstützen, sind unter anderem die Gleichsetzung des Meisters mit dem Bachelor und die Lehrlingsoffensive, die heuer vom Land NÖ gestartet wurde, mit einer Lehrstellen- bzw. Ausbildungsgarantie bis 25 Jahre. Diese Attraktivierung der Lehre wollen wir weiter intensiv verfolgen, denn die Werkbank muss gleich viel wert sein wie die Schulbank.

"Heute": Hat sich der „12-Stunden-Tag" etabliert? Finden Sie die Arbeitszeitflexibilisierung richtig und welche weiteren möglichen Schritte sollten gesetzt werden?

Hager: Wir haben noch immer einen 8-Stunden Tag und keine Arbeitnehmerin und kein Arbeitnehmer darf einen Nachteil durch die Arbeitszeitflexibilisierung haben! In der heutigen Arbeitswelt ermöglichen flexible Arbeitszeiten bei gleichem Arbeitnehmerschutz mehr Freiheit und Freizeit für eine bessere Work-Life-Balance.

"Heute": Stichwort „Home Office", sind Sie ein Befürworter und soll das Arbeiten von zu Hause aus öfters möglich sein?

Hager: Wir machen mobil für mobile Arbeitsplätze, egal ob im Home-Office oder im Co-Working-Space in der Wohnumgebung. Die Angebote für Out-of-Office müssen ausgebaut werden, damit mehr Daten und weniger Menschen pendeln.

"Heute": Was halten Sie von Mindestlöhnen, Stichwort: 1.700 Euro brutto, und wo sollte dieser liegen?

Hager: Im Sinne der Sozialpartnerschaft ist das in den Kollektivvertragsverhandlungen zu regeln. Hier möchte ich meinen Beitrag dazu leisten, um im Miteinander gute Ergebnisse für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu erzielen.



"Heute": Asylwerber und Lehre: Wie stehen Sie dazu?

Hager: Im Asylrecht wird entschieden, ob jemand bleiben kann oder das Land verlassen muss. Es braucht hier eine klare Trennung zwischen Asylrecht und der qualifizierten Zuwanderung.

"Heute": Wie intensiv werden für Sie als Spitzenkandidat die nächsten Wochen, was steht noch alles am Plan?

Hager: Ich bin das ganze Jahr über viel in den Betrieben in ganz Niederösterreich unterwegs, natürlich jetzt vor der Wahl noch intensiver. Wir besuchen jeden Tag Betriebe, es gibt regelmäßig Pressetermine und Abendveranstaltungen. Aber am meisten macht mir Freude, wenn ich mit den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer persönlich über Ihre Anliegen sprechen kann, denn Verändern und Verbessern beginnt mit Zuhören.

(E. Wessely)
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