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"Whiplash": Preisgekröntes Indie-Kino

Heute Redaktion
14.09.2021, 02:08

Wie weit bist du bereit zu gehen? Was bist du bereit zu opfern? "Whiplash" handelt von einem jungen Jazz-Schlagzeuger und seinem despotischen Lehrer, der ihn auf grausame Weise zu Höchstleistungen pusht. Das sehens- und hörenswerte Musikerdrama gewann sowohl Haupt- als auch Publikumspreis des Sundance Film Festivals 2014 und ist für fünf Oscars nominiert.

Wie weit bist du bereit zu gehen? Was bist du bereit zu opfern? "Whiplash" handelt von einem jungen Jazz-Schlagzeuger und seinem despotischen Lehrer, der ihn auf grausame Weise zu Höchstleistungen pusht. Das sehens- und hörenswerte Musikerdrama gewann sowohl Haupt- als auch Publikumspreis des Sundance Film Festivals 2014 und ist .

Andrew () träumt davon, einer der größten Schlagzeuger aller Zeiten zu werden. Den ersten Schritt hat er bereits geschafft: Er wurde an der Schaffer Academy in New York aufgenommen, einem der renommiertesten Konservatorien der Vereinigten Staaten. Alle Studenten, unabhängig vom Instrument, an dem sie ausgebildet werden, kennen nur ein Ziel: Es in die Studio-Band der Schule zu schaffen, um sich in offiziellen Jazz-Bewerben profilieren zu können.

), der Leiter und Dirigent der Band ist ein menschliches Ekel, das im Umgang mit seinen Schützlingen weder vor körperlicher Gewalt, noch vor Psycho-Terror zurückschreckt. Die Band erzielt Höchstleistungen, doch die jungen Musiker leben unter ständiger Angst und enormer Belastung. Als Andrew die Chance erhält, Teil der Band zu werden, muss er alles in seinem Leben dem Schlagzeug-Training unterordnen... und wird Fletcher dabei immer ähnlicher.

Opfer für die Perfektion

Der Angstschweiß, der Andrew bei den Proben übers Gesicht läuft, sickert auch den Zuschauern aus den Poren. Manch einer wird sich auch die Tränen mit dem Protagonisten teilen. Auf beeindruckende (und beeindruckend simple) Weise bringt Regisseur/Drehbuchautor Damien Chazelle seine Hauptfigur und das Kinopublikum auf einen gemeinsamen Nenner. Anspannung, Selbstzweifel, die Angst zu versagen - "Whiplash" ruft Erinnerungen an die eigene Schulzeit wach und entpuppt sich so auch für Musik-Laien als absolut fesselnd.

Wir weichen selbst dann nicht von Andrews Seite, als er Terrain beschreitet, dass den meisten von uns unbekannt ist. Bald schreckt der junge Drummer nicht mehr davor zurück, für die Kunst sich selbst (physisch) und andere (emotional) zu verletzen. Dass man als Zuschauer auch jetzt noch mit Andrew mitleidet, ist dem großartigen J.K. Simmons geschuldet. 

Simmons spielt den Tyrannen, Schinder und Folterknecht Fletcher so, dass man in seinem (Miss)handeln immer noch eine fast fürsorgliche Vaterfigur, einen Mann mit Gewissen und lauteren Motiven zu erkennen glaubt. Und das obwohl Fletcher mit jedem Schritt Richtung Menschlichkeit zwei in die Gegenrichtung setzt. Eine phänomenale Leistung von Simmons, die ihm mit hoher Wahrscheinlichkeit auch den Oscar als bester Nebendarsteller einbringen wird.

Miles Tellers gute Leistung reichte nicht für eine Nominierung. Kleines Detail am Rande: Angeblich spielte der Amerikaner, der am 20. Februar seinen 28. Geburtstag feiert, sämtliche von Andrews Drum-Parts persönlich ein.

"Whiplash" startet am 20. Februar im Kino.

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