"Wie kann ich die kranken Seiten ablegen?"

"Ich befürchte, dass ich abhängig von ihm bin. Und gleichzeitig wohl auch ziemlich süchtig nach seiner Liebe", so Tina.
"Ich befürchte, dass ich abhängig von ihm bin. Und gleichzeitig wohl auch ziemlich süchtig nach seiner Liebe", so Tina.Bild: iStock
Tina überschüttet ihren Freund mit Zärtlichkeiten und am liebsten wäre sie rund um die Uhr mit ihm zusammen. Sie befürchtet, dass ihm das zu viel werden könnte.
Frage von Tina (25) an Doktor Sex: Ich habe seit vier Monaten einen Freund. Wir sind beide sehr verliebt. Nach zwei mittelmäßigen Beziehungen habe ich jetzt tiefe Gefühle entwickelt. Ich teile sie ihm auch die ganze Zeit mit, überschütte ihn mit Zärtlichkeiten und Liebe. Insgeheim erwarte ich, dass er mir seine Liebe auf die gleiche Art und Weise zeigt. Das tut er aber nicht.

Beiträge in sozialen Medien, die verliebte Paare zeigen, tragen dazu bei, dass ich gewisse Erwartungen habe, wie mich mein Freund verwöhnen sollte. Eigentlich weiß ich genau, dass meine Erwartungen zu hoch sind. Trotzdem. Wäre es möglich, würde ich jede freie Minute mit ihm verbringen – sogar auf Kosten meiner beruflichen Projekte.

Gleich nachdem wir uns nach einem Treffen verabschiedet haben, vermisse ich ihn schon wieder. Ich befürchte, dass ich abhängig von ihm bin. Und gleichzeitig wohl auch ziemlich süchtig nach seiner Liebe. Er ist aber nicht so romantisch. Wie kann ich meine krankhaften Seiten ablegen?

Antwort von Doktor Sex

Liebe Tina

Du bist offensichtlich über beide Ohren verliebt und es scheint mir daher vermessen, angesichts dieser intensiven Gefühle und den sich daraus ergebenden Handlungen von Abhängigkeit oder gar Sucht zu sprechen und dich selbst zu entwerten. Weder deine Emotionen noch dein Verhalten sind nämlich krankhaft!

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch. Trotzdem kann ich die Irritation verstehen, die du beim Betrachten deines Zustands und Verhaltens erlebst. Sich selbst in einer Ausnahmesituation zu beobachten – und genau darum handelt es sich bei der Verliebtheit – kann erschrecken. Man erkennt dabei nämlich plötzlich Seiten an sich, von denen man kaum etwas wusste und die man eher von anderen kannte.

Gelingt es, diese unbekannten Seiten anzunehmen und in das eigene Selbstbild zu integrieren, kann eine solche Entdeckung heilsam sein. Diese ermöglicht nämlich, sich selbst gegenüber entspannter zu werden und zu akzeptieren, dass man auch anders sein kann als so, wie man sich gesehen hat. Zudem fällt es dann auch einfacher, jemanden zu verstehen, der oder die gerade auf Wolke sieben schwebt.

Schon Sigmund Freud erkannte, dass der Zustand der Verliebtheit dem eines Menschen während einer akuten Psychose gleicht. Auch bei Verliebten wird das Belohnungssystem im Gehirn aktiviert, was zu einer massiven Ausschüttung von Glückshormonen und einer entsprechenden Veränderung der Wahrnehmung führt. Von außen gesehen entsteht deshalb oft der Eindruck, sie seien ein bisschen verrückt.

Diese hyperaktive Phase, in der Menschen problemlos mit sehr wenig Schlaf und Essen auskommen können, klingt aber in der Regel im Zeitraum von einem bis sechs Monaten wieder ab. Du kannst dich also entspannen: In absehbarer Zeit wirst du es überstanden haben. Alles Gute!

Deine Frage an Doktor Sex: doktor.sex@20minuten.ch (wer)

(red)

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