"Wir finden nicht allein aus dem Beziehungschaos!"

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Marisa und ihr Freund waren sich sicher, dass sie für immer zusammengehören. Doch nun ist alles anders. Gibt es eine Lösung?
Frage von Marisa (28) an Doktor Sex: Mein Freund (39) und ich hatten zwei Jahre eine sehr glückliche Beziehung. Wir waren zufrieden und überzeugt, dass wir für immer zusammenbleiben und irgendwann ein Haus mit vielen Hunden haben werden. Anfang des Jahres kam dann das große Chaos: Er wurde krank und ich war bei der Arbeit und im Studium überfordert.

In mehreren Gesprächen haben wir gemerkt, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Während ich das Ganze tendenziell eher als von den Umständen ausgelöst erlebte, meinte er, dass er allein sein will und sich überlegt, für immer allein zu bleiben. Daraufhin habe ich mich spontan von ihm getrennt.

Wir haben uns sehr gern, aber im Moment scheint es keinen gemeinsamen Weg zu geben. Wir sind beide eher introvertiert und reden nicht über Gefühle. Ich habe deshalb Angst, dass wir uns ganz verlieren, weil wir zu feige sind, uns mit uns und unserer Beziehung auseinanderzusetzen. Könnte uns eine Paarberatung helfen?

Antwort von Doktor Sex

Liebe Marisa

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Ich bezweifle, dass es wirklich so wichtig ist, wie gemeinhin angenommen wird, dass in einer Beziehung über Gefühle gesprochen wird. Dieser Aspekt wird meiner Meinung nach massiv überschätzt. Viel wichtiger scheint mir, sich selber und die eigenen Bedürfnisse genau zu kennen und diese verständlich kommunizieren zu können.

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch. Ich beobachte in meiner Praxis immer wieder, wie Menschen in einer Beziehung nicht in der Lage sind, einfachste Anliegen offen auszusprechen. Statt zu sagen, was Sache ist, schweigen sie lieber – oft aus Angst davor, mit ihrem Bedürfnis beim Partner eine Reaktion zu provozieren, die zu Streit oder allenfalls gar zum Ende der Beziehung führen könnte.

Schweigen löst aber keine Probleme, sondern führt nur zu einer Verschiebung des Konflikts: Weg vom Partner, also von der Beziehung, und hinein ins Innere der Person, die schweigt. Bedürfnisse und Störungen verschwinden aber nicht einfach, indem man sie dem Frieden zuliebe unterdrückt. Vielmehr erzeugen sie psychischen Druck und Unbehagen – im schlimmsten Fall lösen sie sogar körperliche Beschwerden aus.

Zwar kann oft noch für eine gewisse Zeit das Bild einer glücklichen Beziehung aufrechterhalten werden, mittelfristig gelingt dies aber nicht. Indem sich die unterdrückten Bedürfnisse und unausgesprochenen Konflikte einen Weg ans Licht suchen, bricht die Scheinwelt zusammen. Ich denke, dass dies bei euch geschehen ist, als Anfang des Jahres das Chaos über euch hereinbrach.

Eine Paarberatung ins Auge zu fassen, scheint mir daher durchaus sinnvoll. Sie kann euch dabei unterstützen, Klarheit zu schaffen und herauszufinden, welches die Gemeinsamkeiten sind, die euch verbinden, beziehungsweise die Unterschiede, die euch trennen, und wie ihr eure unterschiedlichen Ansichten und Positionen ohne Angst kommunizieren könnt.

Vielleicht taucht darin aber auch die Frage auf, ob ihr tatsächlich als Liebespaar zusammen sein wollt oder ob eure Beziehung nicht vielmehr eine innige Freundschaft ist, die einen anderen Umgang erfordert. Wie auch immer: Ich wünsche euch alles Gute in diesem Prozess!

Ihre Frage an Doktor Sex: doktor.sex@heute.at

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