"Wir wollten heiraten und jetzt ist sie weg!"

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Seine Freundin bedeutet Marc alles. Aber nun hat sie ihn verlassen. Soll er kämpfen oder wars das?

Frage von Marc (28) an Doktor Sex: Ich hatte bis vor kurzem eine Freundin. Sie ist der Sonnenschein in meinem Leben und ich liebe sie immer noch und über alles. Als wir ein Paar waren, sahen wir uns nur am Wochenende, da sie im Ausland studiert. Eigentlich wollten wir heiraten. Aber wegen meines Aufmerksamkeits-Defizit-Syndroms (ADS) kam es anders.


Durch die Erkrankung machte ich oft Fehler, die in der Beziehung zu Problemen führten. Meine Freundin verschloss sich danach oft und ich erreichte sie nicht mehr. Irgendwann hat sie dann die Beziehung beendet und wollte nicht mehr heiraten. Seither schließt sie mich aus ihrem Leben aus. Sie denkt, dass ich mich nie ändern würde.


Ich kann ihren Entscheid nicht akzeptieren, da er auf dem Umstand basiert, dass ich meine Emotionen jeweils für ein paar Minuten nicht im Griff habe. Ich will das ja auch gar nicht und es tut mir so leid. Soll ich für meinen Traum mit ihr kämpfen? Oder soll ich sie gehen lassen, da sie ja anscheinend sehr leidet?


Antwort von Doktor Sex

Lieber Marc

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Neben der Liebe, die du für diese Frau empfindest – nur am Rande bemerkt: Hast du dir einmal überlegt, was es für eine Last sein könnte, jemandes Sonnenschein zu sein? –, höre ich aus deinen Zeilen einen etwas weinerlichen Unterton heraus. Mir scheint, dass du dich in deiner Frage als Liebhaber inszenierst, dessen Qualitäten von der Angebeteten verkannt werden.

Vermutlich wirst du mit dieser Masche deine Freundin nicht zurückgewinnen. Ich meine: Welche Frau will schon mit einem Mann zusammen sein, der sich mit 28 Jahren als Opfer eines ADS inszeniert und um Mitgefühl heischt? Falls du mein Urteil zu hart findest: Es scheint mir an der Zeit, dass jemand ehrlich ist zu dir und klare Ansagen macht.

Ich habe höchsten Respekt vor diesem Syndrom und will dein Leiden auch nicht kleinreden. Dennoch bist du nicht der Einzige, der sich damit arrangieren muss. Hast du gewusst, dass beispielsweise Albert Einstein trotz eines ADS die Relativitätstheorie erarbeitet hat oder dass Bill Gates damit zu einem der erfolgreichsten Unternehmer der Neuzeit wurde?

Dass deine Freundin denkt, du würdest dich nie ändern, hat wohl damit zu tun, dass sie keine Bemühungen gesehen hat von dir, auf konstruktive Weise mit dem Syndrom umzugehen – also statt dich hinter den Symptomen zu verstecken und dich dafür zu entschuldigen, die Sache aktiv anzugehen und Lösungen zu (er-)finden, die einen Unterschiede machen.

Ein erster Schritt wäre, durch eine Ärztin und einen Psychologen die Schwere und das Ausmaß des Syndroms für dich individuell abklären zu lassen. Offensichtlich führt dieses bei dir zu massiven sozialen und teilweise auch psychischen Beeinträchtigungen, die eine Therapie für mich sinnvoll erscheinen lassen.

Das Ziel dabei sollte sein, dir soziale Integration zu ermöglichen und ein stabileres Selbstwertgefühl aufzubauen. Ich bin sicher: Wenn deine Freundin merkt, dass du die Verantwortung für dein ADS übernimmst, wird sie auch wieder bereit sein, mit dir Kontakt zu haben. Wichtig ist aber, von ihr nicht zu viel zu erwarten! Letztlich machst du das alles für dich und nicht für sie oder eure Beziehung. Alles Gute!

Ihre Frage an Doktor Sex: doktor.sex@heute.at

(red)

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