"Wo ist bloß die Leidenschaft geblieben?"

Bild: zVg

Nach fünf Jahren Beziehung wollen Corinne und ihr Partner eine Familie gründen. Liebe ist genug da, aber die Lust hat sich verabschiedet. Wie weiter?

Frage von Corinne (31) an Doktor Sex:Mein Partner und ich sind über fünf Jahre zusammen und wir wünschen uns eine gemeinsame Familie. Leider fehlt aber seit einem Jahr die Leidenschaft zwischen uns. Wir küssen uns wenig und Sex gibt es nur noch etwa einmal im Monat. So klappt das mit dem Kinderkriegen natürlich auch nicht. Manchmal denke ich, wir leben nur noch wie Freunde zusammen. Aber eigentlich lieben wir uns doch und verstehen uns auch sehr gut. Nur: Wo ist die Leidenschaft geblieben? Wie können wir diese wieder auffrischen? Und wie schaffe ich es, dass er mir mehr Aufmerksamkeit und Zuneigung schenkt?

Antwort von Doktor Sex

Liebe Corinne

Was du ansprichst, wird früher oder später in jeder Liebesbeziehung ein Thema: Je näher sich Menschen kommen, je intensiver sich ihr Sein miteinander verwebt, desto gleichmäßiger und dadurch auch emotionsloser wird der Beziehungsalltag. Irgendwie scheinen sich intensive Nähe im Alltag und prickelnde Leidenschaft gegenseitig auszuschließen. Dies wirkt sich zwangsläufig auch auf das Sexualleben aus.

Heißer Sex lebt von einer gewissen Fremdheit, vom Unbekannten und von der Lust, dieses zu erforschen. Nach ein paar Jahren Beziehung ist aber kaum noch etwas unentdeckt am Partner oder an der Partnerin und man richtet sich – oft gezwungenermassen – im bereits Bekannten ein. Dies hat Vor- und Nachteile: Einerseits wird das Leben einfacher, weil man weiß, was der oder die Andere beim Sex braucht, wie man sich gegenseitig Vergnügen bereiten kann. Andererseits aber bleiben die Leidenschaft und das erotische Prickeln auf der Strecke.

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Bei Paaren mit einem Kinderwunsch kommt oft noch ein weiterer Aspekt hinzu. Gerade wenn das Ziel, schwanger zu werden, nicht in absehbarer Zeit erreicht wird, stellt sich bald einmal Stress ein. Sie berechnen dann möglichst genau den Zeitpunkt des Eisprungs und "zwingen" sich, genau dann und möglichst auch noch in den Stunden vor- und nachher Sex zu haben. Dass dieses Vorgehen nicht eben hilfreich ist, um Lust und Leidenschaft zu wecken, versteht sich von selbst. Hält dieser Zustand dann auch noch über mehrere Monate oder gar Jahre an, ist schnell einmal der Ofen aus.

Was tun?

Der Blick zurück bringt nichts. Was war, kann nicht durch die Wiederholung bestimmter Verhaltensweisen erneut hergestellt werden. Auch der Vergleich mit anderen Paaren ist keine Lösung, da ihre Voraussetzungen komplett andere sind. Natürlich kann der eine oder andere Tipp – du wirst von den Leserinnen und Lesern sicher einige davon erhalten – kurzfristig eine Veränderung herbeiführen. Trotzdem wird sich bald wieder die alte Situation einstellen. Deshalb schlage ich euch vor, euch dem Phänomen grundsätzlich anzunähern – und dessen Gesetzmäßigkeiten sowie die sich daraus für eure Beziehung ergebenden Dynamiken zu untersuchen.

Vielleicht helfen euch die folgenden Fragen und insbesondere das gemeinsame Gespräch darüber, dem auf die Spur zu kommen, was Leidenschaft für euch ganz persönlich bedeutet.

Was ist gemeint mit Leidenschaft, was beinhaltet der Begriff für euch? Wie kommt Leidenschaft zum oder in den Menschen – wird sie gelernt oder ist sie ein biologisches Programm? Falls sie gelernt wird: Woher habt ihr euer Wissen darüber? Und ist dieses abschließend oder gäbe es diesbezüglich noch Quellen zu erschließen?

Wo "befindet" sich die Leidenschaft, wo und wie nehmt ihr sie an und in euch wahr? Ist sie im "Beziehungsraum", also zwischen euch verortet und damit etwas Gemeinsames? Oder ist sie eine Emotion, die sich in jedem einzelnen von euch abspielt und bei der das jeweilige Gegenüber oder die Umstände nur Auslöser sind?

Was führt zu dem, was ihr unter Leidenschaft versteht – welche Umstände und Handlungen sind förderlich und welche hinderlich? Welche Auswirkungen hat das, was ihr Leidenschaft nennt, auf eure Beziehung? Sind diese Auswirkungen zwingend, mit anderen Worten: Seid ihr diesen ausgeliefert? Oder hängen sie davon ab, welchen Wert ihr dem Phänomen Leidenschaft beimesst und deshalb veränderbar?

Ich weiß, dies sind philosophische Fragestellungen. Wenn ihr keine Lust habt, euch damit auseinanderzusetzen, oder keinen Sinn darin erkennt, dürft ihr es ruhig bleiben lassen. Eine weitere Möglichkeit, um an der Situation etwas zu ändern, ist, dass ihr euch beide bezüglich Sex den Aspekten zuwendet, die euch selber noch unbekannt sind, die auszuprobieren euch aber interessieren würde. Im Buch "Guter Sex trotz Liebe" finden sich viele spannende Übungen und Anregungen zu diesem Thema.

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