"Wohlstandskranker" Teenie ist wieder frei

Ethan Couch tötete bei einer Alkoholfahrt vier Menschen. Jetzt ist der "wohlstandskranke" Teenager nach fast zwei Jahren Haft auf freiem Fuß.

Ein aufsehenerregender Fall im US-Staat Texas geht in die nächste Runde. Der heute 20 Jahre alte Ethan Couch wurde am Montag nach nur zwei Jahren aus der Haft entlassen, obwohl er im Alter von 16 Jahren bei einer Alkoholfahrt vier Menschen getötet hatte. Doch schon damals hatte das Gericht Milde walten lassen, weil der Teenager angeblich "wohlstandskrank" sei.

Die glimpfliche Behandlung des Sohns einer wohlhabenden Familie hatte im Sommer 2013 landesweit für Entrüstung gesorgt. Ethan hatte mit Freunden in einem Walmart Bier gestohlen und sich betrunken, bis er 2,4 Promille intus hatte. In Burleson in der Nähe von Dallas fuhr er anschließend mit seinem Geländewagen vier Menschen tot: eine Frau, deren Auto eine Panne hatte, zwei Anwohner, die ihr helfen wollten sowie einen Passanten.

Vier Menschen tot, null Tage Gefängnis

Die Eltern stellten dem Sohnemann die besten Anwälte zur Seite. Diesen gelang es, die Richterin zu überzeugen, dass Ethan an "Affluenza" leidet – eine englische Wortmischung aus affluent (reich) und influenza (Grippe). Mit anderen Worten: Dass seine Taten Konsequenzen haben, sei Ethan von seinen reichen Eltern nie beigebracht worden. Statt zu 20 Jahren Gefängnis verurteilte Richterin Jean Boyd ihn zu zehn Jahren Bewährung.

2015 verstieß Ethan aber gegen die Bewährungsauflagen. Nachdem Handy-Videos von offenkundigen Trinkgelagen auftaucht waren – Alkohol hatte das Gericht strikt verboten –, floh der Teenager mit seiner Mutter Tonya nach Puerto Vallarta in Mexiko. Dort wurde er wenig später aufgegriffen, weil er sein US-Smartphone weiter benutzte. Ethan wurde in die USA abgeschoben und zu fast zwei Jahren Haft verurteilt.

Wie der Sohn, so die Mutter

Diese Strafe hat er nun abgesessen. Wie der Sender ABC berichtet, muss sich Ethan in den nächsten sechs Jahren seiner Bewährungsstrafe an die vom Gericht verhängten Auflagen halten. Dazu gehört, dass der junge Mann ein Ortungsgerät tragen, eine Ausgangssperre ab 21 Uhr beachten und sich regelmäßig einem Drogentest unterziehen muss. Alkoholkonsum ist für Ethan weiterhin tabu.

Inzwischen wurde seine Mutter Tonya Couch (50) wegen Verhinderung der Festnahme eines Schwerverbrechers sowie wegen Geldwäscherei verurteilt. Sie kam zwar auf Kaution frei, verletzte jedoch vergangene Woche die Bewährungsauflagen. So saßen Mutter und Sohn für einige Tage im Gefängnis von Tarrant County ein. Ihr Prozess beginnt im Mai. Ethan ist derweil auf die Ranch seines Vaters gezogen.

Die Anwälte des Teenagers veröffentlichten am Montag eine Erklärung, laut der sich ihr Mandant für sein Tun entschuldigte. Von Anfang an habe er echte Reue "ob der schrecklichen Konsequenzen seines Handelns" gezeigt, hieß es. Die Organisation Mothers Against Drunk Driving veröffentlichte laut "NBC" ebenfalls eine Stellungnahme, in der sie Ethans "Kurzaufenthalt eine krasse Ungerechtigkeit gegenüber den Opfern und deren Familien" nannte. (kle)

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