So könnten wir auf Soja- & Palmölimporte verzichten

Würden wir auf ein Fünftel unseres gewohnten Fleischkonsums verzichten, müssten wir Soja & Co nicht aus dem Ausland beziehen.
Wissenschafter der Wiener Boku (Universität für Bodenkultur) lassen aufhorchen. Laut ihrer Studie für das Österreichische Forschungsinstitut für Biologischen Landbau (FIBL) importiert Österreich pro Jahr rund eine halbe Million Tonnen Soja und 157.000 Tonnen Palmöl, vor allem aus Südamerika und Asien – und das wäre keinesfalls nötig.

Laut den Ergebnissen der Forscher müssten Österreicher "nur" um ein Fünftel weniger Fleisch konsumieren, dann könnte man sich die Sojaimporte komplett ersparen (Anm.: mehr zum Fleischkonsum der Österreicher in der Bildstrecke).

Der verringerte Futtermittelbedarf würde eine Ackerfläche von rund 197.000 Hektar freimachen. Das entspricht in etwa der halben Fläche vom Burgenland. Würde man diese frei gewordenen Felder zum Sojaanbau nutzen, könnte man den Bedarf an Sojafuttermitteln vollständig aus heimischen Quellen decken.

Weniger Fleischkonsum würde uns gut tun

Soja gedeiht auch hierzulande sehr gut. Zusätzlich zu den ökologischen Vorteilen, wäre das auch für die Gesundheit der Österreicher gut. Immerhin essen wir im Schnitt dreimal so viel Fleisch, wie von Ernährungsexperten empfohlen.

CommentCreated with Sketch. zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Auch auf Palmölimporte könnte Österreich zur Gänze verzichten, würde man die Lebensmittelabfälle um ein Fünftel reduzieren. So würden 62.000 Hektar Ackerland – die eineinhalbfache Fläche Wiens – frei, um dort Sonnenblumen und Raps anzubauen. Mengenmäßig könnte daraus mehr Öl gewonnen werden, als man derzeit für Lebensmittel und Kosmetika Palmöl braucht.

Eine weitere Möglichkeit, um Palmölimporte obsolet zu machen, wäre den Fleischkonsum um ein Zwanzigstel zu verringern. "In der Praxis kann man aber aus verfahrenstechnischen Gründen Palmöl in einzelnen Einsatzbereichen nicht oder nur schwer ersetzen, das betrifft aber nur einen geringen Teil von maximal dreizehn Prozent des gesamten Palmöl- und Palmkernölimports nach Österreich", erklären die Forscher Martin Schlatzer und Thomas Lindenthal vom Zentrum für Globalen Wandel und Nachhaltigkeit der APA.

Die beiden haben für das FIBL unterschiedliche Szenarien erstellt, wie Österreich von Sojafuttermittelimporten aus Argentinien und Brasilien unabhängig werden und die Einfuhr von Palmöl aus Indonesien und Malaysia reduzieren könnte.

Riesen Vorteil für die Umwelt

70 Prozent des importierten Palmöls (inklusive der indirekten Einfuhr als Biodiesel) werden zu Treibstoff verarbeitet. Auch diese Mengen könnten durch Anbau in Österreich ersetzt werden. Die Ölmengen, die aus Raps- und Sonnenblumenpflanzen gewonnen werden, seien pro Hektar zwar etwas geringer als der Ertrag aus Palmen in Südostasien, dennoch könnte der heimische Anbau dadurch auf eine zweieinhalb- bis dreieinhalb Mal bessere Klimabilanz zurückblicken.

"Ersetzt man theoretisch das Palmöl, das unter anderem für Nahrungsmittel und Kosmetika eingesetzt wird, durch Raps- und Sonnenblumenöl, verbessert das die CO2-Bilanz um bis zu eine halbe Tonne pro Jahr", wird Schlatzer von der APA zitiert.

Ginge man noch einen Schritt weiter und würde alle Palmölimporte inklusive der Agrotreibstoffe mit österreichischen Alternativen ersetzen, würden dadurch bis zu 1,4 Millionen Tonnen eingespart. Durch regional angebautes Soja anstatt von Importen würde ebensoviel, also weitere 1,4 Millionen Tonnen, Treibhausgas eingespart.

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