Flüchtlinge, Krisen

1 Jahr Warten auf Termin– MA35 bekommt mehr Personal

Die MA35 wird mit Staatsbürgerschafts-Anträgen geflutet. Nun werden 105 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt. Erste Reformen zeigen bereits Erfolge.

Thomas Peterthalner
1 Jahr Warten auf Termin– MA35 bekommt mehr Personal
Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr will MA35 verbessern.
Sabine Hertel

Rund 20.000 neue Staatsbürgerschaften wurden im Vorjahr 2023 in Österreich verliehen, 4.000 waren es in Wien. Bis es soweit ist, braucht man viel Geduld. Noch immer warten Bewerber durchschnittlich 341 Tage, also knapp ein Jahr, auf einen Staatsbürgerschafts-Termin. Erst nach persönlicher Vorsprache wird das Verfahren eingeleitet, das ist gesetzlich so vorgeschrieben.

Personal wird aufgestockt

"Die Verleihung der österreichischen Staatsbürgerschaft ist eine bedeutende und schwer umkehrbare Entscheidung und muss trotz aller Effizienz und Serviceorientierung sorgfältig geprüft werden", erklärt Bürgermeister Christoph Wiederkehr (Neos) nun bei einem Termin zu Reformen in der MA35. Um die steigende Nachfrage zu bewältigen, sollen nun 105 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt werden, um ab Februar 2025 tausend Antragstermine pro Monat anbieten zu können.

MA35-Chef Georg Hufgard-Leitner mit Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr (Neos).
MA35-Chef Georg Hufgard-Leitner mit Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr (Neos).
Sabine Hertel

Andrang ist vier Mal so hoch

Grund für den Ansturm sind die unsicheren Zeiten: Flüchtlinge, die im Jahr 2015 nach Österreich kamen, sind nun antragsberechtigt. Dazu stellen auch viele ausländische Staatsbürger, die schon länger hier leben, jetzt Anträge, um eingebürgert zu werden. Das sind beispielsweise Personen aus der Ukraine. "Wien wächst international wie jede europäische Metropole", erklärt MA35-Chef Georg Hufgard-Leitner. 

"Zwischen 2019 und 2021 haben wir monatlich zwischen 300 und 400 Neuanträge für die österreichische Staatsbürgerschaft bekommen. Mittlerweile bieten wir über die Online-Terminbuchung 720 Termine monatlich an. Gebucht werden inzwischen viermal so viele Termine wie noch vor zwei Jahren."

Schon vor drei Jahren wurde im März 2021 ein Reformprozess eingeleitet mit dem Ziel, die Dienstleistungen der MA35 in Wien serviceorientierter und effizienter zu gestalten. In einigen Bereichen gelang das bereits. So werden bereits mehr Staatsbürgerschafts-Anträge pro Jahr erledigt. 2023 wurden 7.356 Verfahren abgeschlossen, 2020 waren es 5.609, 2021 dann 5.999, 2022 wurden 6.663 Verfahren abgearbeitet. 

150.000 Verfahren pro Jahr

Rund 150.000 Verfahren jährlich werden in der Behörde geführt. Der größte Teil sind aber Verfahren nach dem Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetz (Einwanderung). Auf einen Termin wartet man in diesem Bereich im Schnitt nur sieben Tage. Im Jahr 2023 wurden über 263.000 Telefongespräche geführt, 2024 waren es in den ersten zwei Monaten 43.271 Gespräche. Innerhalb von 74 Sekunden erreichen Anrufer bei der Behörde den ersten Ansprechpartner. Komplexe Fragen werden mit einem Rückruf innerhalb von durchschnittlich 4 Tagen beantwortet, während das Reformziel einen Rückruf innerhalb von 8 Tagen anstrebte.

Beratungszentrum für Migranten

Zusätzlich ermöglichen Kooperationen mit dem Beratungszentrum für Migranten monatliche Informationsveranstaltungen für bis zu 1.350 Personen über den Ablauf des Staatsbürgerschaftsverfahrens. Die Webseiten wurden in leicht verständlicher Sprache übertragen, um Informationen noch zugänglicher zu machen.

Auf den Punkt gebracht

  • Die MA35 in Österreich verzeichnet einen starken Anstieg bei Staatsbürgerschaftsanträgen, insbesondere von Flüchtlingen und langjährigen ausländischen Bewohnern, was zu Wartezeiten von fast einem Jahr führt
  • Um diesen Anstieg zu bewältigen, plant die Behörde die Einstellung von 105 zusätzlichen Mitarbeitern und die Erhöhung der monatlichen Terminangebote auf tausend
  • Obwohl die Effizienz und Serviceorientierung der Behörde bereits zunahm, werden Verbesserungen fortlaufend umgesetzt, darunter die Einführung eines Online-Assistenten und Informationsveranstaltungen in Zusammenarbeit mit dem Beratungszentrum für Migranten
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