Welt

10.000 Ungarn bei Demo nach Judensager

Heute Redaktion
14.09.2021, 03:21

Mehr als 10.000 Ungarn versammelten sich am Sonntag auf dem Budapester Kossuth-Platz bei hohem Polizeiaufgebot. Mit Plakaten, Fahnen und Sprechchören demonstrierten sowohl Vertreter der ungarischen rechtskonservativen Regierungspartei sowie der demokratischen Opposition gegen jüngste antisemitische Äußerungen der ungarischen rechtsradikalen Parlamentspartei Jobbik.

Erst kürzlich schlug ihr Parlamentsabgeordneter Marton Gyöngyösi vor, alle Juden zu erfassen, die als Abgeordnete im Parlament sitzen oder der Regierung angehören. Gyöngyösi rechtfertigte diese Forderung damit, dass Juden ein "Risiko für die nationale Sicherheit" seien. Seine Aussagen führten zu Protesten im In- und Ausland.

Die sonst zerstrittenen ungarischen Parteien protestierten gemeinsam und friedlich. Während der einzelnen Reden kamen keine Proteste aus den zu verschiedenen politischen Lagern gehörenden Demonstranten. Die Protestaktion wurde von jüdischen Gemeinden und Stiftungen initiiert.

Jobbik kritisierte das gemeinsame Auftreten von Regierungsparteien und der "vereinten Linken", das vom Jobbik-Abgeordneten Janos Volner als "jämmerlicher Mordskrawall" bezeichnet wurde.

Für die rechtskonservative Regierungspartei Fidesz-MPSZ sprach Fraktionschef Antal Rogan, für die oppositionellen Sozialisten MSZP ihr Vorsitzender Attila Mesterhazy. Ex-Premier Gordon Bajnai wiederum trat für die neugegründete Plattform "Gemeinsam 2014" auf. Antal Rogan erklärte: Wir sind heute hier, um dem "Bösen ein Schild um den Hals zu hängen", mit der Aufschrift "Wir werden das nicht mehr zulassen". Gordon Bajnai bezeichnete die Präsenz der Nazis als "inakzeptabel". Nazismus sei wie ein Virus, der die schwachen Länder niederringt". Ein Demokrat sei nicht nur jener, der keine Angst hat, sondern der auch keine Angst erzeugt, betonte Bajnai. Attila Mesterhazy konstatierte in seiner Rede, der "Nazismus ist ein Virus, doch nicht nur die Jobbik-Partei ist ein Virusträger" und forderte Premier Viktor Orban auf, sich klar von Jobbik zu distanzieren und die Partei zu verurteilen. Fidesz-MPSZ müsse "endlich ihre Zwei-Drittel-Mehrheit im Kampf gegen die Faschisten einsetzten".

APA/red.

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