Ohne "100 Dinge" pudelnackt und echt lustig

Florian David Fitz und Matthias Schweighöfer sind leicht(bekleidet) lustig, wie deutsche Komödien es öfter sein sollten.
Toni (Matthias Schweighöfer) und Paul (Florian David Fitz) sind beste Freunde von Kindheitstagen an und tüfteln seit Jahren an einer App, die sie an ein US-Unternehmen mit einem Chef namens David Zuckerman (lustig: Artjom Gilz könnte der Bruder des echten Mark Zuckerberg sein) verkaufen wollen. "Nana", die nette Computerstimme, die auf die Emotionen des Handybesitzers eingehen kann, schlägt ein - und Zuckerman bietet Millionen fürs Programm. Beim Feiern mit ihren Mitarbeitern kübeln sich Toni und Paul nieder. Die Folge: Eine Wette. Beide müssen 100 Tage ohne all ihr Zeug, vom Handy bis zum Smoothiemaker auskommen. Jeden Tag um Mitternacht dürfen sie sich eines ihrer Dinge aus dem versperrten Lagerraum holen.

Pudelnackt, verkatert und ohne Plan



Am nächsten Tag kommt der Kater und das große Jammern, als beide pudelnackt in ihren Wohnungen munter werden (und es dann im Film auch noch öfter sind). Schwere Entscheidungen stehen bevor. Was sollen sie sich als erstes zurückholen? Und was macht man bloß mit seiner Zeit ohne Handy, Fitnessgeräte, Stylingprodukte und Co?

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Mama, Oma und eine neue Liebe lassen Freundschaft kriseln



Schnell beginnt es in der Freundschaft zu kriseln. Dann taucht auch noch Lucy (Miriam Stein) auf, in die sich der selbstverliebte Toni verschaut. Sie hat aber eigene Probleme und ist nicht so ein einfacher Aufriss wie Tonis bisherigen Frauen, vor allem, weil er diesmal mehr will. Als dann auch noch Pauls Mutter (Hannelore Elsner) den beiden aufträgt, auf die Oma (Katharina Thalbach) aufzupassen, wird alles kompliziert. Und die Vertragsunterzeichnung mit David Zuckerman steht auch noch bevor.

"100 Dinge" Trailer



100 Dinge
100 Dinge


Lebensziel Sneakers



Teure Sneakers vor allen anderen kaufen, Katzenvideos schauen, Trump-Tweets lesen und in einem Loft wohnen - Toni ist dort, wo seine Mitarbeiter hinwollen. Denn die schuften sich den Hintern weg, wohnen in einem Loch ("unter einer Treppe wie Harry Potter") und mieten sich eine Airbnb-Wohnung, wenn die Eltern auf Besuch kommen.

"Wenn ich mir zuhören muss, spring ich aus dem Fenster"



Doch kürzt man all den Luxus weg, bleiben die eigenen Gedanken und damit kommen die hippen Mittdreißiger unserer Zeit nicht zurecht. "Ist dir schon mal aufgefallen, was für einen Scheiß man denkt? Wenn ich mir noch fünf Minuten zuhören muss, spring ich aus dem Fenster", sudert Paul seinen Freund voll.

Die coolen fallen auf die Schnauze



"100 Dinge" schaut in die Seele einer Hipstergeneration, die alles hat und deshalb nicht weiß, was ihr fehlt. Die deutsche Komödie lässt die Coolen auf die Schnauze fallen, ohne dass sie sich dabei weh tun.

Locker, leicht und nimmt sich selbst nicht ernst



Im Brei der Fortsetzungen und immergleichen Comic-Adaptionen ist die Idee erfrischend neu. Der Film kommt leichtfüßig daher. Er ist innovativ, aber nicht zu schräg für den Massengeschmack. Wenn Toni oder Paul mit der Kitsch- oder Klischeekeule ausholen, dürfen sie sich auch gleich selbst dafür verarschen. Läuft der Film Gefahr in die deutsche Komödien-Falle der faden Unlustigkeit tappt abzudriften, gelingt es Drehbuchautor Florian David Fitz, rechtzeitig die Bremse zu ziehen.

Hochkarätiger Cast in den Nebenrollen



Matthias Schweighöfer als selbstverliebtes Kotzbröckchen und Florian David Fitz als superalternativer Hipster sind großartig besetzt. Noch besser sind allerdings die Nebenrollen, die Regisseur Fitz mit der A-Riege der deutschen Kino- und Theaterwelt (Hannelore Elsner, Katharina Thalbach) besetzte.

"100 Dinge" ist ein Blockbuster-Film, der sich nicht zu gut dafür ist, sich über sich selbst lustig zu machen. Dadurch wird er trotz ernster Themen leichtfüßig und charmant. Eine deutsche Komödie, wie es sie öfter geben sollte.

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(lam)

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Kritik/RezensionSzeneKinoFlorian David Fitz

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