Das hätten sich Matthias N. und seine Freundin Denise Z. wohl anders vorgestellt: Vor wenigen Monaten zog das Paar in die Adolf-Loos-Gasse (Wien-Floridsdorf). Der Wiener hatte die Gemeindewohnung in der Großfeldsiedlung von seiner Großmutter übernommen. Bald bemerkten die beiden, dass sie nicht die einzigen Mieter waren. Sie müssen sich ihr Heim mit zahlreichen Mäusen teilen, die offenbar den gesamten Wohnblock befallen haben.
"Zuerst haben wir die Tiere im WC entdeckt, wo sie offenbar über den Abwasser-Strang und die nachträglich eingebaute Fernwärmezuleitung gekommen sind. Kurz darauf waren sie auch in der Einbauküche und im Bad. Und zuletzt haben sie sogar ein Loch durch die Fußboden-Eckleisten im Wohnzimmer genagt", schildert Matthias N. dem zum Lokalaugenschein gekommenen Alt-Bezirksrat Hans Jörg Schimanek seine mausgrauen Erlebnisse.
Nach einem Anruf bei "Wiener Wohnen" wurde zwar ein Installateur in die Wohnung geschickt, vier Mal war auch bereits ein Kammerjäger bei dem Pärchen im Gemeindebau. "Der Installateur hat eine Öffnung zum Schacht des WC-Stranges mit einer Rigipsplatte abgedeckt. Drei Tage später hatten die Mäuse die Platte schon wieder durchgenagt, sodass ich selbst Hand angelegt habe. Zuletzt wurden erkennbare Löcher vom Kammerjäger mit Stahlwolle verstopft, dennoch finden wir nach wie vor in allen Ecken und sogar in den Küchenkästen überall Mäusekot. Und in der Nacht hören wir bei offener Balkontür, wie die Mäuse hinter der hohlen Außenfassade emsig nagen."
Mittlerweile hat das Paar in der Wohnung zehn Mausefallen aufgestellt und einige Mäuse gefangen. Doch die kleinen Nager lassen sich nicht so leicht vertreiben. "Seit dem letzten Besuch eines Kammerjäger-Experten warten wir jetzt auf eine Reaktion von 'Wiener Wohnen', denn so kann es nicht weitergehen", hofft Matthias N. auf eine baldige Lösung. – Auch für Hans Jörg Schimanek ein unhaltbarer Zustand, er ortet Handlungsbedarf seitens der Stadt Wien. "Immerhin werden dem jungen Paar für die rund 79 Quadratmeter große Alt-Gemeindewohnung Monat für Monat 1.011,50 Euro vom Konto abgebucht. Hier bedarf es mit Sicherheit einer Gesamtsanierung der Wohnung samt Fußböden, daher wäre es am zielführendsten, dem Paar einen Wohnungswechsel anzubieten. Zudem muss 'Wiener Wohnen' zwecks Feststellung der wahren Ursachen des Mäusebefalls auch die übrigen Wohnungen und Kellerräume der gegenständlichen Stiege überprüfen lassen", meint Schimanek.
"Heute" fragte bei "Wiener Wohnen" nach – die Gemeindebau-Hausverwaltung sieht keinen Zusammenhang von Mäuseplage und Fernwärmeleitung. Maßnahmen zur Mäusebekämpfung werden bereits organisiert, heißt es. "Die Annahme, dass das Mäuseproblem in Zusammenhang mit der nachträglich eingebauten Fernwärmeleitung entstanden ist, können wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht bestätigen", so eine Sprecherin. "Was wir zwischenzeitlich mitteilen können, ist, dass für die Wohnhausanlage eine Mäusebekämpfung beauftragt ist.
Aktuell versucht 'Wiener Wohnen' eine Terminvereinbarung mit den betroffenen Mietern zur Besichtigung der Wohnung zu vereinbaren. Sollten beim Besichtigungstermin offene Mauerstellen gefunden werden, werden diese sofort auf Kosten von Wiener Wohnen verschlossen, ebenso beauftragen wir sehr gerne eine Sonderreinigung in den betroffenen Wohnungsteilen." Matthias N. und seine Partnerin hoffen nun, dass es mit der Mäuseplage im Gemeindebau bald vorbei ist.