Nach Mordanschlag

11 Jahre Haft: Fall wegen Falschaussage neu aufgerollt

Ein 48-Jähriger wurde im Vorjahr womöglich zu Unrecht wegen Beteiligung an einem Mordkomplott verurteilt. Der brisante Fall wird nun neu aufgerollt.
Wien Heute
02.11.2023, 19:38
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Ein Wiener mit türkischen Wurzeln wurde am 20. November 2018 in Wien-Ottakring mit einem Rohr niedergeschlagen. Trotz Schädelbruchs und Schädel-Hirn-Traumas überlebte er den Anschlag "wie durch ein Wunder", stellte die Staatsanwältin damals fest. Hinter dem Mordversuch steckte der Ex-Schwiegervater des Opfers. Der 58-Jährige habe den Angriff in Auftrag gegeben, weil sein Schwiegersohn untreu war – mit dessen Schwägerin, die daraufhin schwanger wurde.

Killer um 10.000 Euro beauftragt

Der zornige Immobilienmakler wollte seinen Schwiegersohn aus gekränkter Ehre töten lassen und engagierte deshalb einen Auftragskiller. Der ebenfalls türkischstämmige Vater, der die Ehe seiner Tochter arrangiert hatte, wurde im Oktober 2019 wegen Bestimmung zum Mord lebenslang verurteilt. Auch der Täter selbst fasste am Wiener Landesgericht eine lebenslange Haftstrafe aus. Beide Urteile sind rechtskräftig.

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Der 58-jährige Drahtzieher des Mordanschlags belastete damals vor Gericht auch einen weiteren Mann schwer: Ein 48-Jähriger soll als Komplize nicht nur den Tatplan gekannt, sondern auch 10.000 Euro an den Auftragskiller bezahlt haben. Der Beschuldigte stritt dies stets vehement ab. Vor dem Schwurgericht wurde ihm nicht geglaubt – er wurde zu elf Jahren Gefängnis verurteilt.

Fall wird neu aufgerollt

Michael Dohr und Marcus Januschke, die beiden Anwälte des 48-Jährigen, beantragten nun die Wiederaufnahme des Verfahrens. Am 13. November wird dem Mann, der womöglich zu Unrecht verurteilt wurde, im Großen Schwursaal am Wiener Landesgericht erneut der Prozess gemacht. Neue Beweismittel sollen den vermeintlichen Komplizen nun entlasten.

Ein Mithäftling des 58-jährigen Ex-Schwiegervaters verriet nun, sein Zellengenosse habe damals falsch ausgesagt. Er habe eine offene Rechnung mit dem 48-Jährigen gehabt und deshalb gelogen. Der jüngere Mann soll den Älteren über den Tisch gezogen haben, als er dessen Grundstücke in der Türkei verkaufte und dabei zu viel Geld einbehielt.

Zwei Zeugen entlasten 48-Jährigen

"Er ist besessen vom Rachegedanken. Mit seinen Lügen hat er das Hohe Gericht dazu gebracht, einen unschuldigen Menschen zu verurteilen", schrieb der Mithäftling des Ex-Schwiegervaters in einem Brief an die Verteidiger des 48-Jährigen. Er nannte zudem einen weiteren Mann, der bezeugen könne, dass der 58-Jährige falsch ausgesagt hatte. Der zweite Zeuge bestätigte das Anfang des Jahres bei einer Einvernahme.

„Er ist besessen vom Rachegedanken.“
Mithäfling des Drahtziehers (58)

Verteidiger Dohr ist sicher, dass sein Mandant "diesmal nur freigesprochen werden kann". Auch das Wiener Oberlandesgericht (OLG) bekräftigte die Wiederaufnahme des Verfahrens: "Den Aussagen der beiden Zeugen, der einzige Belastungszeuge habe ihnen gegenüber eine falsche Belastung (...) zugegeben, weil er sich betrogen gefühlt habe, ist eine beachtenswürdige Beweisrelevanz nicht abzusprechen."

{title && {title} } red, {title && {title} } 02.11.2023, 19:38