11fache Eltern lebten vom Drogendealen

Bild: Polizei

Ein Grazer Ehepaar (38, 39) mit elf Kindern verdiente sich den Lebensunterhalt jahrelang durch den Verkauf von Drogen. Seit Jahresbeginn sollen die Beiden bereits sechs Kilo des Amphetamins Pentedron im Straßenverkaufswert von rund 180.000 Euro aus Ungarn importiert haben. Auch teilweise noch minderjährige Kinder hatten sich am Handel beteiligt.

Schon seit Monaten hatten die Ermittler das Paar im Visier. Die Grazer besorgten sich die psychoaktive Substanz Pentedron in Ungarn und verkauften sie an rund 100 Abnehmer in Graz und Umgebung, Leibnitz, Fürstenfeld und Leoben. Laut den Ermittlern Christian Buchmann und Andreas Moser von der Polizeiinspektion Seiersberg dürfte das Paar seit etwa einem Jahr mit der Substanz gedealt haben. Erst seit Anfang des Jahres gibt es nun ein Gesetz, das den Import und den Verkauf des Pentedrons illegal macht. Der Konsum ist weiterhin erlaubt.



Aufgezogene Drogenspritzen lagen herum

Beim Verkauf des Amphetamins, das als weißes Pulver geschnupft oder aufgekocht gespritzt werden kann, verlangten die Verdächtigen etwa das Fünffache des ursprünglichen Preises. Mit dem Geld finanzierten sie sich ihr Leben und das ihrer Kinder, von denen neun noch im selben Haushalt lebten. Die acht minderjährigen Buben und Mädchen im Alter von einem bis 18 Jahren wurden dem Paar nun abgenommen.



Laut Buchmann waren die Kinder zwar gut versorgt, aber sie lebten mit den Eltern in einer unaufgeräumten und dreckigen Umgebung. Aufgezogene Spritzen lagen frei herum, schilderte der Beamte. Für die Kinder dürfte das Alltag gewesen sein, wenngleich die Mutter bei der Polizei angab, dass sie und ihr Mann sich die Substanz nur im Schlafzimmer gespritzt hätten. Mit dem Wegräumen der benutzten Spritzen am nächsten Tag hätte es die 38-Jährige aber nicht sehr genau genommen.



Mutter spritzte während Schwangerschaft

Die Verdächtigen seien laut Polizei schon vorher aufgefallen und dürften etwa ein Kilogramm von den sechs Kilo Pentedron selbst genommen haben. Die Mutter war seit 2004 als heroinsüchtig bekannt und dürfte die Drogen, die laut Gesetz nicht als Suchtmittel gelten, auch während ihrer Schwangerschaften genommen haben. Seit mehreren Jahren hatte die Fürsorge ein Auge auf die Kinder des Paares, vom illegalen Handel dürfte dort aber laut Polizei nichts bemerkt worden sein.

Im vergangenen Jahr wurden einige Familienmitglieder beim Ladendiebstahl ertappt. Außerdem gab es Hinweise aus den Reihen der Abnehmer, die die Polizei schließlich auf die Spur des Paares brachten. Auch der 19-jährige Sohn soll mit der aufputschenden Substanz gehandelt haben. Er dürfte bei den Eltern 500 Gramm erworben und davon rund 300 Gramm verkauft haben. Den Rest habe er selbst genommen.

Kinder dealten

Sogar die erst 16-jährige Tochter soll bereits etwas von der psychoaktiven Substanz weitergegeben haben. Auch die beiden bereits ausgezogenen erwachsenen Kinder des Paares waren zumindest früher in den Handel verwickelt, so der Beamte.

Das Ehepaar und der Sohn waren bei den Einvernahmen geständig, wurden wieder aus der Haft entlassen und angezeigt. Buchmann meinte, dass die Mutter durch das Auffliegen der Deals nun geläutert sei und ihre Kinder zurück wolle. Weitere Erhebungen der Polizei seien noch im Gange.

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Stichwort Pentedron - Das Geschäft mit "Legal Highs"

Pentedron ist eine psychoaktive Substanz und gehört zur Gruppe der Amphetamine. 2011 war das Mittel in Österreich als eine neue Substanz für Europa erstmals entdeckt worden. Der Stoff, der bei Einnahme durch den Menschen aufputschend wirkt, wird in sogenannten Badesalzdrogen illegal angeboten.



Österreich versucht, dem Problem ständig neu auftauchender Substanzen zur Berauschung (Stichwort "Legal Highs") u.a. mit einer Verordnung Herr zu werden: Ganze Stoffgruppen können seit Jahresanfang bezüglich ihres Handels, Imports und ihrer Herstellung verboten bzw. nunmehr auch deren Schmuggel und Verkauf bestraft werden: Das "Neue Psychoaktive Substanzen Gesetz" (NPSG) sieht für Händler Freiheitsstrafen von einem bis zu zehn Jahren vor. Konsumenten bleiben straffrei. Die legale Verwendung dieser Chemikalien zu gewerblichen Zwecken oder für die Forschung wird von dem Verbot nicht berührt.

Gesetzgebung hinkt "Legal High"-Industrie hinterher

Regierungen hinken europaweit mit Verboten einzelner Inhaltstoffe hinterher - diese wurden nach einem etwaigen Verbot einfach leicht abgeändert, um die Substanzen weiter legal an die Konsumenten zu bringen. Seit Februar machen sich Hersteller und Vertreiber von "Legal Highs" in Österreich aber strafbar. Wird der Straftatbestand erfüllt, ist mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren zu rechnen. Bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe sind vorgesehen, wenn die Straftat eine Gefahr für Leben oder Gesundheit von mehr als zehn Menschen herbeiführt. Die Strafuntergrenze beträgt hierbei ein Jahr. Stirbt ein Mensch durch den Konsum oder liegt eine schwere Körperverletzung bei mehr als zehn Personen vor, wird der Täter mit einer Freiheitsstrafe von einem bis zu zehn Jahren bestraft.



Ungefährlich sind die "Badesalzdrogen" nämlich nicht: Anfang März in Oberösterreich nach dem Konsum eines "Badesalz"-Produkts. Es hatte in Anästhetikum enthalten.

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