130 Jobs weg! Laufen stellt Werk in Wilhelmsburg ein

Symbolfoto einer Keramikproduktion.
Symbolfoto einer Keramikproduktion.Bild: iStock
Hiobsbotschaft für die Mitarbeiter des Keramikherstellers Laufen in Wilhelmsburg: Der Konzern stellt die Produktion ein, verlagert ins Ausland und nach Gmunden.
In Wilhelmsburg (Bezirk St. Pölten-Land) geht offenbar ein Stück Zeitgeschichte zu Ende. Der Sanitärkeramikhersteller Laufen stellt die Produktion ein. Seit vielen Jahrzehnten ist Wilhelmsburg für seine Keramik berühmt. Die ÖSPAG stellte am heutigen Laufen-Standort etwa das beliebte Lilienporzellan her.

Künftig bleibt vom Standort nicht viel über. Am Mittwoch wurden die Mitarbeiter über eine Restrukturierung informiert. Die Produktion am Standort Wilhelmsburg wird im 2. Quartal 2020 eingestellt. Ein Teil der Produktion wird nach Gmunden, der Rest in die angrenzenden europäischen Produktionsstandorte verlagert. "Das ist ein unerwarteter Schlag in die Magengrube für Mitarbeiter und Gemeinde – ohne vorherige Information der Betroffenen und der Gemeinde", sagt der Wilhelmsburger Bürgermeister Rudolf Ameisbichler (SPÖ).

130 Arbeitslose

Der Personalstand in Wilhelmsburg wird in den kommenden Monaten von 190 auf 60 Personen reduziert. Für die betroffenen 130 Mitarbeiter soll gemeinsam mit dem Betriebsrat ein Sozialplan ausgearbeitet werden, das AMS-Frühwarnsystem wird Ende März aktiviert.

CommentCreated with Sketch.4 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Grund für die Schließung sei laut einer Aussendung vor allem der Preisdruck im In- und Ausland. Die Auslastung sei in Wilhelmsburg schon zuletzt viel zu niedrig gewesen. Weil auch die Prognosen nicht gerade rosig aussahen, sei die Aufrechterhaltung der Produktion sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch nicht mehr vertretbar.

Stellungnahmen aus der Politik

Seitens der Landesregierung will man vor allem den vielen Betroffenen helfen. "Der Schritt ist mehr als bedauerlich, wir haben daher nach Bekanntgabe sofort Gespräche mit den Verantwortlichen des Unternehmens aufgenommen. Wir stehen im direkten Kontakt mit der Geschäftsführung und suchen nach Möglichkeiten der Unterstützung. Jedenfalls wollen wir die betroffenen Mitarbeiter im Rahmen unserer Möglichkeiten bestmöglich unterstützen", erklären Landesrat Martin Eichtinger und Landesrätin Petra Bohuslav (beide ÖVP).

Die Rote Landesspitze nutzte ihre erste Stellungnahme indes für einen Seitenhieb gegen Bundeskanzler Sebastian Kurz. "Da sind wohl die großzügige Klientelpolitik und die Steuerzuckerl für Konzerne durch den türkisen Konzernkanzler Kurz ins Leere gelaufen", so SP NÖ-Chefs Franz Schnabl und Wolfgang Kocevar. Von Laufen erwarten die Sozialdemokraten indes individuell abgestimmte Lösungen für die Mitarbeiter: "Hier sind ein umfassender Sozialplan und die Unterstützung bei der Jobsuche gefragt."

Wilhelmsburg bleibt Österreich-Zentrale

Nicht betroffen von diesem Schritt sei die Verwaltung. Wilhelmsburg fungiert demnach weiterhin als Österreich-Zentrale für die Laufen Austria AG. Entsprechend bleiben Management, Verwaltung, Finanzen, HR, IT, Lager und Logistik, Marketing und Vertrieb sowie technischer Kunden-Support und Training in Wilhelmsburg bestehen.

Für Kunden ändere sich dadurch nichts, heißt es in der Aussendung weiter. Die Laufen-Gruppe produziert und vertreibt international Sanitärkeramik. Das 1892 gegründete Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Laufen bei Basel und beschäftigt 2.500 Mitarbeiter in acht mitteleuropäischen Produktionsstätten. Die Ursprünge des Werks in Wilhelmsburg gingen gar bis ins 18. Jahrhundert zurück.

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