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14-Jähriger ersticht Mutter in 15.574-Einwohner-Stadt

In Siders kam es zu einem Tötungsdelikt. Ein 14-Jähriger wurde festgenommen. Ein Rechtsexperte erklärt, was dem Jugendlichen juristisch droht.
20 Minuten
26.05.2022, 07:56

In Siders wurde die zweifache Mutter F.B. erstochen. Ihr 14-jähriger Sohn wurde festgenommen und sitzt in U-Haft. Ein Rechtsexperte erklärt, was dem Jugendlichen juristisch droht. Laut Strafverteidiger Stephan Schlegel ist man in der Schweiz bereits ab zehn Jahren strafmündig. Für Jugendliche zwischen zehn und 18 Jahren gilt dabei das Jugendstrafrecht.

"Begeht ein Jugendlicher über 15 Jahre ein Vergehen oder Verbrechen, kann ein Freiheitsentzug von einem Tag bis zu einem Jahr ausgesprochen werden. Bei über 16-Jährigen beträgt die maximale Dauer vier Jahre", erklärt Schlegel. Bei unter 14-Jährigen werde in der Regel bei Tötungsdelikten vom Gericht eine Unterbringung in eine geschlossene Einrichtung oder eine ambulante Therapie angeordnet, wo der Jugendliche professionelle Hilfe erhält.

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"Er war nie ein einfaches Kind"

In die Wohnung, in der sich die Tat abspielte, ist die Familie laut Nachbarn und Nachbarinnen erst kürzlich gezogen. Zuvor lebte die Frau mit ihren beiden Söhnen in einer Wohnung in der Nähe, wie eine langjährige Freundin erzählt. "Sie war eine wunderbare Freundin und gute Mutter. Im Quartier kannten sie alle", sagt die Frau. Laut der Freundin leidet der 14-Jährige an Autismus. "Er war nie ein einfaches Kind. Er muss regelmäßig Medikamente nehmen und ist in psychologischer Behandlung. Hin und wieder gab es Spannungen zwischen Mutter und Sohn", sagt die Frau.

Laut Thomas Knecht, leitender Arzt der Forensischen Psychiatrie am Psychiatrischen Zentrum Appenzell Ausserrhoden, muss hinter der Tat eine außergewöhnliche Motivation stecken. Autismus alleine sei laut Statistik kein Risikofaktor für Kriminalität, so Knecht. Autismus könne jedoch die zwischenmenschliche Kommunikation erschweren und dadurch Konflikte verschärfen.

"Ich hörrte ein Klirren"

"Es muss ein harter Konflikt bestanden haben, der aus subjektiver Sicht nicht auf eine andere Art gelöst werden konnte", erklärt der Psychiater. Zu Beginn der Pubertät werde bei männlichen Personen das Geschlechtshormon Testosteron verstärkt ausgeschüttet, welches aggressives Verhalten verstärken und sogar psychotische Ausbrüche fördern könne.

Anwohnende berichten von einem riesigen Polizeiaufgebot vor dem Mehrfamilienhaus am frühen Montagmorgen, auch Spürhunde seien zum Einsatz gekommen. "Ich habe kurz nach Mitternacht eine Frau schreien gehört. Danach hörte ich ein Klatschen, als ob man jemanden ohrfeigen würde. Schließlich fiel etwas herunter, ich hörte ein Klirren, als ob ein Glas oder eine Vase heruntergefallen wäre", erzählt eine Nachbarin.