14 Jahre geweigert: Lassnig ist Ehrendoktor

Vor 14 Jahren wollte die Uni Klagenfurt Maria Lassnig, Österreichs größte zeitgenössische Künstlerin und damals 80, ehren. Doch die Kärntnerin lehnte den Ehrendoktor aus politischen Gründen ab, da sie mit Haider und der FPÖ nicht einverstanden war. Nun bot ihr Rektor Oliver Vitouch die Auszeichnung ein zweites Mal an - und sie akzeptierte.


Am Montag war es nach über einem Jahrzehnt soweit: Rektor Oliver Vitouch überbrachte Maria Lassnig in Wien die Ehrenurkunde. Die Künstlerin war nach der Abwahl der Freiheitlichen bei der Landtagswahl im März und dem politischen Wechsel im Land noch einmal gefragt worden und akzeptierte die Würdigung. "Ich freue mich sehr", meinte sie gegenüber dem Rektor. Ihn freute es wahrscheinlich noch mehr.

Die inzwischen 94-jährige Maria Lassnig kann die Urkunde nun zum Beispiel neben ihrem Erster weiblicher Kunst-Star in Österreich

Uni-Rektor Oliver Vitouch: "Maria Lassnig ist eine österreichische Künstlerin von Weltrang. Sie hat entscheidend dazu beigetragen, die einstige Mannerdomäne Malerei – und deren hochschulische Vermittlung – auch zur Frauensache zu machen, und hat in der Medienkunst neue Formen der visuellen Kultur erschlossen." In ihrer klugen Streitbarkeit und der Weite ihres Blickes habe sie zeitlebens jene Ziele verfolgt, für die auch die Alpen-Adria-Universität Klagenfurt einstehe. "Dass sie nun, nach dem lang ersehnten 'Kärntner Frühling', bereit ist, das Ehrendoktorat anzunehmen, ist ein Zeichen von hoher Symbolkraft."

Lassnig ist die 31. Ehrendoktorin der Universität Klagenfurt und eine von mehreren aus Kärnten stammenden Künstlerinnen und Künstler, unter ihnen Valentin Oman, Peter Handke und Wolfgang Puschnig. Erst vor kurzem erhielt der Maler Manfred Bockelmann für sein engagiertes Spätwerk den Ehrentitel.

"Entartet": Lassnig musste Uni verlassen

Maria Lassnig wurde am 8. September 1919 im kärntnerischen Kappel am Krappfeld geboren. 1941 wurde sie an der Wiener Akademie der bildenden Künste in die Meisterklasse Wilhelm Dachauer aufgenommen, die sie 1943 verlassen musste, weil ihre Bilder als "entartet" bezeichnet wurden. Ihr Studium schloss sie dann bei Ferdinand Andri und Herbert Boeckl ab. Die erste Einzelausstellung folgte 1948 in Klagenfurt. 1951 übersiedelte sie nach Wien. Dort gehörte sie mit Rainer, Mikl, Hollegha und Prachensky zum Kreis um Monsignore Otto Mauer, den kunstinteressierten Geistlichen und Gründer der Galerie nächst St. Stephan.

Paris, New York, Wien - Erste Malerin als Professorin

Bei mehreren Paris-Aufenthalten lernte sie u.a. den Surrealisten Andre Breton kennen, ließ sich von der "ecriture automatique" und dem Tachismus beeinflussen. 1968 übersiedelte sie nach New York, wo sie sich nicht nur mit Malerei, sondern auch erstmals mit Zeichentrickfilmen beschäftigte. 1980 kehrte sie nach Wien zurück, wo sie als erste Malerin im deutschsprachigen Raum eine Akademieprofessur - an der Hochschule für angewandte Kunst - übernahm. Im selben Jahr vertrat sie - zusammen mit VALIE EXPORT - ihre Heimat bei der Biennale in Venedig. 1982 und 1997 folgten Einladungen zur documenta nach Kassel. Mit ihrem autobiografischen Animationsfilm "Kantate" nahm sie 1993 bei den Berliner Filmfestspielen für Österreich teil. Als erste bildende Künstlerin erhielt Lassnig 1988 den Großen Österreichischen Staatspreis. Seither folgten zahlreiche weitere Auszeichnungen, heuer im Mai erhielt sie bei der Biennale in Venedig den Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk.

APA/red.
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