14 Tage Unterricht netto – das bringt’s den Kids

Jeden Montag gibt Schuldirektor Niki Glattauer in "Heute" Noten.
Jeden Montag gibt Schuldirektor Niki Glattauer in "Heute" Noten.heute.at
Schuldirektor Glattauer gibt Noten. Heute: Schule light mit "Nasenbohren".14 Tage Unterricht als Kollateralgewinn. Und: Gurgel-Studie muss bleiben.

Ab Montag Schule light mit "Nasenbohren"

Auch wenn manche die Regierung reflexartig mit Kritik anschütten – sie und insbesondere Minister Faßmann haben es richtig gemacht: Ab Montag offene Schulen (nicht zuletzt aufgrund des gesellschaftlichen Überdrucks), dafür Testpflicht für Lehrer UND Schüler. So etwas musst du einmal auf den Weg bringen, alle Achtung!

Die Probleme liegen in den Details: Ich weiß von Schulen, die bis heute (!) ohne Test-Kits dastehen, weil das im Jänner gelieferte Material aufgebraucht ist; von Lehrern, die am 26. Jänner amtlich gurgelgetestet wurden und bis heute (!) nicht wissen, ob sie negativ oder positiv sind; in Hunderten Wiener Schulen fehlt es an Räumen und Personal für Kinder, die "betreut" werden sollen, und zwar so, "dass keine Mischgruppen entstehen". Aha? Mini-Teststraßen vor Volksschulen. Wo? Auf den Dächern der parkenden Autos? Jetzt fordern testverweigernde Eltern auch noch parallelen Fernunterricht. Kopf hoch, Kollegen!

Note: Gut

Glattauer gibt Noten
Niki Glattauer ist seit 20 Jahren Lehrer in Wien, aktuell Direktor des "SZ-FIDS" in Meidling. Dazu hat er 13 Bücher geschrieben.
Jeden Montag vergibt er in einer Kolumne für "Heute" Schulnoten.

Alle seine Artikel finden Sie hier.

14 Tage Unterricht als Kollateralgewinn...

"Kinder brauchen die Schule", las man im "Standard". Es hätte genauso gut heißen können: Eltern brauchen die Schule. Als Aufbewahrungsstätte. Als pädagogisch wertvollen Kinderparkplatz für die Zeit, in der sie Geld verdienen (müssen). Was Kinder – vor allem in der aktuellen Situation – brauchen, sind ENDLICH andere Kinder: Freunde, Freundinnen; Spielen, Lachen, Blödeln, Reden auf gleicher Augenhöhe – in den Pausen, auf dem Schulweg. Die Filmemacherin Elisabeth Scharang formulierte das mir gegenüber einmal augenzwinkernd so: "Ich bin immer sehr gern in die Schule gegangen. Den Unterricht hätte ich halt nicht gebraucht …"

Kinder können Freundschaften ohne das "Paket Schule" heute noch seltener leben als früher, dafür fehlt es ihnen an Raum und ihren Eltern an Zeit. Ja, es war richtig, für sie die Schulen wieder aufzusperren – aus Gründen der sozialen Bedürftigkeit. Mit netto 14 Tagen Unterricht als Kollateralgewinn...

Note: Befriedigend?

Lehrer fordern: Gurgel-Studie muss bleiben

Dass Heinz Faßmann seine "Gurgel-Studie" zugunsten einer "ungestörten Eingewöhnungsphase" vorerst ausgesetzt hat, alarmiert die unabhängigen "ÖLI"-Lehrergewerkschafter*innen. Zu Recht. Denn richtig ist zwar, dass diese Tests, die nach dem Zufallsprinzip an symptomlosen Kindern durchgeführt werden, sinnlos wären, falls bald nur noch gesunde in der Schule säßen. Jetzt kann man aber mit den "Nasenbohrer"-Tests gut die Hälfte der symptomlos Infizierten gar nicht identifizieren. Tja …

Mit seiner "Gurgel-Studie" hatte der Mikrobiologe Prof. Michael Wagner europaweit als Erster nachgewiesen, dass Kinder ansteckend sind. Kann es sein, dass hier vorbeugend unter die Decke gekehrt werden soll, was schlimmstenfalls zu neuerlichen Schulschließungen spätestens nach Ostern führen würde? Ich fürchte, es kann.

Note: Nicht gut
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