Man habe die Folgen der Pandemie vollständig abgeschüttelt, zeigt sich Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke (SPÖ) erfreut und zieht Bilanz über das Tourismusjahr 2023 in Wien. Die Stadt verzeichnete 7.394.000 Ankünfte – ein Plus von 32,1 Prozent – und 17.261.000 Gästenächtigungen – ein Plus von 30,7 Prozent zum Jahr 2022. Die Nächtigungen liegen zudem nur noch zwei Prozent unter dem Bestwert von 2019, also vor der Pandemie, und 4,7 Prozent über jenem aus 2018. Es ist also das zweitbeste Nächtigungsergebnis aller Zeiten.
Zum zweiten Mal in der Geschichte überschritt man im Vorjahr beim Nächtigungsumsatz die Hürde von einer Milliarde Euro – der Dezember ist noch nicht abgerechnet. Mit 1,08 Milliarden Euro verzeichnet man ein Plus von 42,3 Prozent zum Vorjahr und 19,5 Prozent zu 2019. "Wiens Tourismusunternehmen und ihre Mitarbeiter haben einen Restart hingelegt, der angesichts der fordernden Wirtschaftslage in ganz Europa auch einen nicht zu unterschätzenden Impuls für benachbarte Branchen, etwa den Handel oder Verkehrsdienstleistungen bedeutet", so Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke. Während Österreichs Wirtschaft einer Berechnung der Bank Austria zufolge 2023 um 0,5 Prozent geschrumpft ist, verzeichnete Wien ein Wirtschaftswachstum von 0,3 Prozent und zugleich das stärkste Beschäftigungswachstum.
Rund 70 Euro beträgt der Umsatz pro Nächtigung, hier gibt es einen Zuwachs um 23 Prozent zum Vorkrisen-Jahr. "Vor dem Hintergrund der Teuerungen gerade im Energie- und Lebensmittelbereich, die für die Hotellerie eine besondere Herausforderung darstellen, ist dieses stabile Umsatzwachstum umso wichtiger", betont Tourismusdirektor Norbert Kettner. Am stärksten vertreten sind Gäste aus Deutschland (Umsatzplus: 38 Prozent), gefolgt von Österreichern (+26 Prozent) und US-Amerikanern (+46 Prozent). Ansonsten sind die Top 10 der nächtigungsstärksten Länder 2023 europäisch geprägt. Zuwächse gab es auch aus dem arabischen Raum, allen voran Saudi-Arabien (+118 Prozent) und die Vereinigten Arabischen Emirate (+37 Prozent). China und Japan lagen unter ihrem 2019er-Ergebnis, Gründe seien laut Kettner weniger Direktflüge, Personalfluktuation innerhalb der Reisebranche, Wirtschaftslage und Konsumverhalten. Künftig möchte man hier Luxusreisende besonders ansprechen und auf Social Media-Auftritte setzen.
Der Dezember war mit 1.795.000 Nächtigungen (ein Plus von 17 Prozent zum Vorjahr, 4,6 Prozent zu 2019) der stärkste Monat. Zusammen mit Juli und September zählte er zu jenen Monaten, die ihren Vergleichswert 2019 überschreiten konnten. Die Zimmerauslastung der Hotels lag im Dezember bei rund 83 Prozent (2022: rund 78 Prozent), jene der Betten bei 64,9 Prozent (2022: 61,4 Prozent). Auf das gesamte Jahr gesehen lag die Zimmerauslastung bei rund 69 Prozent (2022: 50 Prozent) und die Bettenauslastung bei 54 Prozent (2022: 46,5 Prozent). Wiens Ganzjahrestourismus weist damit die höchste Auslastung aller Bundesländer aus.
Rund 82 Prozent der Gästenächtigungen 2023 waren Auslandsnächtigungen, 2019 waren es 83 Prozent. "Wiens Tourismus ist wieder so international wie vor der Pandemie", so Kettner. Rund 60 Prozent der Hotelbetten liegen in der 4- und 5-Sterne-Kategorie. In Summe gibt es in Wien rund 74.400 Betten in 37.700 Zimmern von 410 Hotelbetrieben. Nachhaltigkeit spielt eine große Rolle: Mit 18 Prozent finden sich in Wien knapp ein Fünftel aller mit dem Österreichischen Umweltzeichen zertifizierten Betten.
39 Prozent der Wien-Gäste kamen 2023 mit dem Flugzeug in die Stadt, 31 Prozent mit der Bahn und 23 Prozent mit dem Auto. Die Anreise mit der Bahn werde im touristischen Bereich immer beliebter, betont ÖBB-Vorstand Klaus Garstenauer. 2023 verzeichneten die ÖBB im Vergleich zum bisherigen Rekordjahr 2019 um 22 Prozent mehr Reisende im Fernverkehr. Der Bahnverkehr zwischen Österreich und Deutschland sei besonders stark im Steigen – hier wolle man weiter ausbauen. Ab Frühjahr 2024 werden die neuen Nightjet-Züge auch zwischen Bregenz und Wien unterwegs sein. Der Schwerpunkt der Austrian Airlines liegt 2024 auf dem Nordamerika-Markt, erklärt CCO Michael Trestl. Neue, treibstoffeffizientere Flugzeuge sollen einen Beitrag zur Reduktion von CO2-Emissionen leisten.
Für das neue Jahr hat sich die Stadt auch ein neues Konzept überlegt: Statt auf Sightseeing möchte man künftig auf "Life-Seeing" setzen und Touristen auch für die Grätzel abseits von der Innenstadt begeistern. "Wir wollen die gesamte Stadt von touristischer Wertschöpfung profitieren lassen und dabei den mehr als 50 Prozent Wiederbesuchern beziehungsweise Stammgästen Wiens neue Seiten der Stadt zeigen. Daher stellt der WienTourismus in seinem Jahresthema 2024 'Heartbeat Streets' elf Wiener Grätzel in neun Bezirken außerhalb des Zentrums in den Vordergrund seiner Marketing-Aktivitäten", so Hanke.