"20 null Deutsch könnende Kinder in Klasse gestopft"

Jeden Montag gibt Schuldirektor Niki Glattauer in "Heute" Noten.
Jeden Montag gibt Schuldirektor Niki Glattauer in "Heute" Noten.heute.at
Schuldirektor Glattauer gibt Noten. Heute: Sommer-Schüler: Er kummt net, kummt net. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Und: Warum keine Tests?

Sommer-Schüler: Er kummt net, kummt net

Seit einer Woche läuft für 12.000 Schüler in Ostösterreich die "Sommerschule" (de facto: Deutsch-Nachhilfe für Zuwandererkinder), noch einmal so viele sollten ab heute in Westösterreich dazukommen. Sollten. Denn wie sich heraussstellt, kommen sie nur zum Teil. Und das gilt für Kinder wie für Lehrerinnen gleichermaßen.

Eine Direktorin erzählt mir, dass von 150 angemeldeten Kindern inzwischen 50 (!) nicht mehr regelmäßig erscheinen bzw. erst gar nicht erschienen sind; eine andere ärgert sich, dass sie zusätzlich zu ihrem Organisationsaufwand jetzt selber "Mimi sagt Mami" unterrichten muss, weil ihr die Lehrkräfte fehlen. Darüber hinaus stellt sich die Sinnfrage.

Glattauer gibt Noten
Niki Glattauer ist seit 20 Jahren Lehrer in Wien, aktuell Direktor des "SZ-FIDS" in Meidling. Dazu hat er 13 Bücher geschrieben.
Jeden Montag vergibt er in einer Kolumne für "Heute" Schulnoten.

Alle seine Artikel finden Sie hier!

Studentin F., in Wien im Praxis-Einsatz, mailt mir: "Warum stopft man 20 (Anmerkung: erlaubt sind 15) null Deutsch könnende Kinder in eine Klasse und glaubt, mit so etwas das Deutschsprechen zu fördern?" Mein Resümee: Die im Sommer geöffnete Schule: Ja. Aber nächstes Jahr bitte richtig!

Note: Luft nach oben

Weil nicht sein kann, was nicht sein darf …

"Wehe, wenn ich den September sehe!", habe ich im Juni gewarnt. Jetzt ist er da – mit der Corona-Dauerwelle. Was aber macht die Regierung? Auf der einen Seite verbreitet sie Alarmstimmung, auf der anderen Seite tut sie so, als wäre Corona nur die lästigere Grippe. Diese andere Seite, die ist die Schule. Während nämlich halb Europa …

► regelmäßige Gurgeltests für Kinder und Lehrerinnen einführt,

► Schulen und Kindergärten flächendeckend mit Maskenautomaten, Hygienespendern und Schutzaufstellern ausrüstet,

► maximal 15 Kinder in einen Raum lässt und Ausweichquartiere adaptiert (z.B. leere Hotelzimmer, Kinosäle etc.),

► IT-Teams ausschickt, um digital bedürftige Lehrkörper auf Fern-Unterricht vorzubereiten,

► Lehramtsstudierende für den Noteinsatz schult usw.,

… ereilt unsere Lehrerinnen der Aufruf, sich, pardon, nicht anzuscheißen und "öfter zu lüften". Weil offenbar nicht sein kann, was nicht sein darf. Hoffentlich weiß das auch das Virus.

Note: Nicht genügend

Warum keine Tests auf der Party-Meile?

Die gute Nachricht: Die Massen-Tests von Besuchern eines Fitness-Centers in Wiener Neustadt, die notwendig wurden, nachdem ein junges Pärchen mit Symptomen positiv getestet worden war, sind negativ ("Heute" berichtete).

Die schlechte: Wie man mir flüstert, hat sich er, Kellner in einem Szene-Lokal auf der Party-Meile der Stadt, nach eigenen Angaben gegenüber Hausarzt und Behörde (!) eh nicht beim Stemmen angesteckt, sondern beim After-Work-Feiern, konkret bei einer Pool-Party. Trotzdem wird auf Contact-Tracing Hunderter Lokalgäste, darunter zig Schüler, verzichtet.

Die lustige Begründung: Der Kellner sei innerhalb der für verpflichtende Tests relevanten 48-Stunden-Frist vor dem Auftreten erster Symptome nicht im Dienst gewesen, sondern "eh acht Stunden vorher gegangen". Geht’s noch?

Note: Nicht gut
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