20 Prozent weniger Ärzte für Krebspatienten

Das neue Arbeitszeitgesetz für Spitalsärzte bekommen auch krebskranke Menschen in Österreich zu spüren. Maximal 48 Stunden Wochenarbeitszeit bedeuten, dass Ärzte nach einem Nachtdienst heimgehen müssen und in den Krebszentren tagsüber ausfallen. Laut der Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie sind am Tag um ein Fünftel weniger Ärzte im Einsatz.

In den Krebszentren stehen weniger Mediziner zur Verfügung, sagt Hellmut Samonigg, Präsident der Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie, gegenüber Ö1. Drei Nachtdienste im Monat, nach denen man nun heimgehen muss und nicht mit der Tagesarbeit weitermachen kann, bedeuten 36 Tage weniger im Jahr. Das ergebe ein Minus von 20 Prozent: "Es ist eine Illusion zu glauben, das geht völlig ohne Auswirkungen. Das kann es nicht geben", so Samonigg.

Zweiklassenmedizin

Diese Entwicklung kann längere Wartezeiten bedeuten oder die Tatsache, dass man nicht kontinuierlich von bestimmten Medizinern betreut werden kann. Damit sei man verstärkt auf dem Weg in die Zweiklassenmedizin, weil man Leistungen nur oder schneller bekommt, wenn man es sich leisten kann.

Befristete Freiwilligkeit

Eine gewisse Abfederung stellen freiwillige längere Arbeitszeiten dar, die "Opt-Out-Möglichkeit", die in Österreich aber nur bis 2021 möglich ist. Das ist strenger als in anderen EU-Ländern. Ein strenges Arbeitsschutzgesetz für Ärzte ist für Samonigg an sich etwas Positives, dadurch sind aber auch die Konsequenzen für die Patienten gravierender als in anderen Ländern.

In Österreich leben über 300.000 Menschen mit der Diagnose Krebs. Sie werden meist in Zentren in Spitälern behandelt. Das neue Arbeitszeitgesetz bedeutet für sie weniger Ressourcen und weniger Qualität.

Neue Ärzte brauchen Jahre

Selbst mit zusätzlichem Personal gebe es keine einfache Lösung: Für die ausreichende Expertise bräuchten die neuen Mediziner vier bis sechs Jahre. Organisatorische Änderungen seien notwendig und möglich, etwa wenn Pflegepersonal Aufgaben übernimmt oder wenn die Ausbildung geändert wird: "Aber in der Öffentlichkeit so zu tun, dass das keine Auswirkungen auf den Patienten hat, halte ich für nicht richtig", sagt Samonigg.

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