21-Jähriger wollte höhere Strafe – und bekam sie

Der damals 19-Jährige erschoss seinen Vater von hinten.
Der damals 19-Jährige erschoss seinen Vater von hinten.Bild: zVg
Der 21-Jährige war in erster Instanz zu fünf Jahren Haft wegen Totschlags verurteilt worden. Vor Gericht forderte er das doppelte, für Mord.

Ein ungewöhnlicher Mordprozess sorgt in der Schweiz für Aufsehen. Ein 21-Jähriger ging gegen seine Verurteilung wegen Totschlags in Berufung: Er forderte eine höhere Haftstrafe wegen Mordes.

Am 31. März 2015 hatte der damals 19-jährige Stephan L. im Kanton Zürich seinen Vater von hinten mit einer Pistole in den Kopf geschossen und anschließend die Polizei verständigt.

Ein Gericht verurteilte den jungen Mann daraufhin zu fünf Jahren Haft wegen Totschlags. L. hatte sein Leben lang unter dem desinteressierten, ihn ständig demütigenden Vater gelitten. Den tödlichen Schuss hatte er nach Ansicht des Gerichts unter großer seelischer Belastung abgegeben.

Staatsanwalt forderte 14 Jahre Haft

Der Staatsanwalt hatte einen Schuldspruch wegen Mordes und eine Bestrafung mit 14 Jahren Freiheitsentzug gefordert. Auch der Verteidiger forderte noch vor dem erstinstanzlichen Urteilsspruch im Auftrag seines Mandanten eine Verurteilung wegen vorsätzlichen Mordes.

Das Obergericht - die nächste Instanz - verschärfte den Schuldspruch und das Strafmaß. Der inzwischen 21-Jährige wurde seinem Wunsch entsprechend des Mordes schuldig gesprochen und zu elf Jahren Haft verurteilt. Der Staatsanwalt zeigte sich zufrieden, will aber noch die Urteilsbegründung abwarten. Damit ist das Urteil nicht rechtskräftig.

"Es gab Alternativen"

Wie der vorsitzende Richter ausführte, anerkannte auch das Obergericht, dass der Beschuldigte zum Zeitpunkt der Tat "in einer schweren, lang andauernden Konfliktsituation" steckte. Er hätte allerdings Alternativen gehabt: Mit über 19 Jahren hätte er jederzeit ausziehen und dem Vater so aus dem Weg gehen können.

Die Tat habe tatsächlich Merkmale eines Mordes. So habe sich der Sohn "überraschend und heimtückisch" von hinten seinem Vater genähert, habe die Waffe vor ihm verborgen und ihm keine Chance gelassen, zu reagieren.

Niemals harmonische Kindheit und Jugend kennengelernt

Strafmindernd wertete das Gericht die Tatsache, dass der Beschuldigte niemals eine harmonische Kindheit und Jugend kennengelernt hat. Seine Mutter war als Folge von Alkoholismus gestorben. L. lebte daraufhin ab seinem 13. Lebensjahr beim Vater, der ihn schikanierte und demütigte.

Auch dass er nicht vorbestraft ist, sich selbst nach der Tat stellte und alles gestand, wirkte sich mildernd aus.

Vor Gericht hatte der junge Mann gesagt, er wolle im Strafvollzug eine Ausbildung zum Koch machen und seine freiwillige Therapie weiterführen.

(red)

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