Der Todeskampf der Italienerin Guilia C. dauerte von 23.18 Uhr bis 23.40 Uhr. Die 22-Jährige war am späten Abend des 11. November von ihrem Ex-Freund Filippo T. an ihrem Wohnort Vigonovo entführt und anschließend getötet worden. Die Carabinieri haben nun den 22 Minuten langen Angriff anhand der Spuren und der Bilder von Überwachungskameras rekonstruiert.
Der mutmaßliche Täter holte Giulia an jenem Abend zunächst in Vigonovo ab und fuhr dann mit ihr bis zu einem knapp fünf Autominuten entfernten Industriequartier in der italienischen Ortschaft Fossò.
Den ersten Alarm gab ein Anwohner, der Giulia um 23.18 Uhr schreien hörte. Der Zeuge wohnt knapp 15 Meter von einem Parkplatz in Vigonovo. "Du tust mir so weh", hörte der Zeuge die Frau schreien, bevor Filippo sie in seinen schwarzen Fiat Grande Punto schleppte.
Filippo verklebte Giulias Mund mit Klebeband und fügte ihr wohl vor Ort die ersten Stichwunden zu. Die Polizei entdeckte auf dem Parkplatz von Vigonovo ein Küchenmesser mit einer gebrochenen 21-Zentimeter-Klinge sowie verschiedene Blutspuren am Boden.
Gegen 23.30 Uhr fand laut "Corriere della Sera" der zweite Teil der Attacke statt: Im Industriegebiet von Fossò soll die verletzte Giulia versucht haben, zu fliehen. Filippo rannte hinter ihr her und warf sie zu Boden. Als die Frau zusammenbrach, trat der Mann heftig auf sie ein. Die Tat wurde von einer Überwachungskamera festgehalten. Auch der Moment, in dem Filippo zehn Minuten später die Leiche seiner Ex in den Kofferraum lud und in Richtung Norden nach Piancavallo fuhr. Dort warf er den Körper des Opfers in eine Schlucht unweit des Barcis-Stausees.
Die Spuren und die Bilder zeigten, dass Filippo den "klaren Wunsch" hatte, "Giulia zu töten", schrieb Venedigs Ermittlungsrichterin Benedetta Vitolo in der Anordnung der Untersuchungshaft gegen Turetta. Die Tat zeige die Gefährlichkeit des Täters und die "beispiellose Schwere und offensichtliche Unmenschlichkeit des Verbrechens, das an der jungen Frau begangen wurde, mit der er eine romantische Beziehung hatte", so Vitolo.
Italien hat die Auslieferung des nach Deutschland geflüchteten Filippo T. beantragt. Der 21 Jahre alte Mann soll wegen des gewaltsamen Todes seiner Ex-Freundin in seiner Heimat vor Gericht gestellt werden, wie die Nachrichtenagentur Ansa am Dienstag unter Berufung auf das Justizministerium in Rom berichtete.
Am Dienstag gab es zur Erinnerung an die ermordete Studentin in vielen italienischen Schulen eine Schweigeminute. Auch Ministerpräsidentin Giorgia Meloni meldete sich zu Wort. "Jede einzelne Frau, die getötet wird, weil sie 'schuldig' ist, frei zu sein, ist eine Anomalie, die nicht akzeptiert werden darf", so die rechte Regierungschefin. Nach einer Statistik des Innenministeriums wurden in Italien seit Beginn des Jahres bereits mehr als 100 Frauen getötet, weil sie Frauen sind.