23.000 Bürger fliehen nach Dammbruch vor Flut

Bild: JENS BUETTNER (dpa)

Ausnahmezustand in Deutschland: Magdeburg lässt Stadtteile mit rund 23.000 Bewohnern östlich der Elbe wegen der Hochwassergefahr räumen. Ein Damm ist gebrochen, deutsche Medien spekulieren gar über einem Anschlag. In den vergangenen Tagen hatten Unbekannte gedroht, Dämme absichtlich brechen zu lassen.

Die Elbe steigt noch immer - und auch der nahe Hochwasserscheitel wird mehrere Tage gegen die Deiche drücken. Schwer getroffen ist bereits der Stadtteil Rothensee mit seinem Umspannwerk. "Rothensee läuft voll wie eine Badewanne", sagte Bundeswehrsprecher Andre Sabzog. Rund 3.000 Einwohner haben sich schon in Sicherheit gebracht, nun gehen die Evakuierungen der Wohngebiete östliche der Elbe weiter.

Rund 700 Soldaten versuchen in der Zwischenzeit, das Umspannwerk zu retten. In aller Eile bauen sie noch einen Deich um das Gelände. Prognosen wagen sie nicht. Nur die Folgen sind bekannt: Wenn das Umspannwerk ausfällt, droht der Strom für Zehntausende Menschen auszufallen. Die deutsche Bundeswehr hat nun schweres Geschütz aufgefahren im Hochwasser: Transportpanzer, Lastwagen und Geländefahrzeuge rollen heran.

Bei Notabschaltung droht eine Katastrophe

Rothensee im Norden der Stadt ist kein reines Wohngebiet. Bekannt ist er vor allem durch den Güterhafen und viele Industriebetriebe. Bei einer Notabschaltung des Umspannwerks könnten auch viele der Pumpen ausfallen, die pausenlos durchsickerndes Wasser hinter den Deichen in die Elbe zurückpumpen. Auch wenn Bundeswehr und andere Hilfsorganisationen eigene Stromversorger dabei haben, hätte ein Stromausfall fatale Folgen für die Stadt.

Für die deutsche Bundeswehr ist Sachsen-Anhalt an diesem Wochenende das Schwerpunktland. 5.500 Soldaten sind am Sonntag im Einsatz, bis zum Abend sollte noch auf 7.000 Mann aufgestockt werden. Allein 1.500 davon sind in Magdeburg aktiv. Am Samstag hatten viele Bewohner noch abgelehnt, Rothensee zu verlassen. Sicher ist aber schließlich gar nichts mehr. Eine Familie hetzt mit drei Kindern, Koffern und einem Käfig mit Wellensittichen zu ihrem Auto. Und am Sonntag steigt ein älteres Ehepaar doch lieber noch schnell in einen der Transportpanzer - auch für ihren Schäferhund ist noch Platz.

Fast zeitgleich bestätigte der Krisenstab, dass Unbekannte Drohbriefe abgeschickt hätten. Darin wurde angekündigt, dass Anschläge auf Dämme verübt würden, mit dem Ziel, weite Stadtteile zu überfluten. Die Polizei hat sich eingeschaltet, die Dämme werden rund um die Uhr von den Einsatzkräften überwacht. Ob der Dammbruch durch einen Anschlag ausgelöst wurde, stand vorerst nicht fest.

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