Die 26-jährige Vorarlbergerin schrieb am Samstag ein echtes Ski-Märchen. Denn im zweiten Rennen nach ihrer beinahe zweijährigen Verletzungspause fuhr Ortlieb gleich auf den zweiten Rang, wurde in der zweiten Lake-Louise-Abfahrt nur von der italienischen Doppel-Siegerin Sofia Goggia geschlagen, 34 Hundertstel fehlten zum Erfolg.
Trotzdem fühlte sich Rang zwei, Ortliebs drittes Weltcup-Stockerl, wie ein echter Erfolg an. Schließlich liegt eine 23-monatige Leidenszeit hinter der rot-weiß-roten Speed-Hoffnung. Ortlieb war im Jänner 2021 in Crans-Montana zu Sturz gekommen, zog sich dabei eine schwere Knieverletzung zu. Kreuzband, Innenband, Patellasehne und Außenmeniskus im rechten Knie waren gerissen, eine monatelange Pause stand bevor.
Und die wurde zur beinahe zweijährigen Zwangspause. Ortlieb konnte 23 Monate lang kein Weltcuprennen bestreiten, musste sich sieben Operationen unterziehen, lag in ihrer Karriere bereits 18 Mal unterm Messer.
Umso bemerkenswerter war nun ihre Fahrt auf den sensationellen zweiten Platz, im zweiten Rennen nach dem Comeback. "Ich bin selbst ein bisschen sprachlos", staunte die Vorarlbergerin zunächst selbst über ihre Leistung, den erst dritten Stockerlplatz ihrer Karriere. "Der Lauf ist mir wirklich gut geglückt. Wir haben gewusst, dass es zum Kämpfen ist. Ich glaube, das habe ich heute gemacht. Ich war mit meiner Fahrt sehr zufrieden", lachte Ortlieb, die nun bereits früh ihren Platz für die Weltmeisterschaft in Meribel abgesichert haben dürfte.
Deshalb dachte die Tochter von Österreichs Ski-Ikone Patrick Ortlieb auch an die harten letzten Monate zurück. "Es hat viel Kraft gekostet, war nicht nur eine Eigenleistung von mir. Ich habe viel Unterstützung bekommen, bin jetzt auch froh, dass ich jetzt etwas zurückgeben konnte", bedankte sich Ortlieb auch bei Familie, Freunden und letztlich auch dem Skiverband. Nach dem starken Auftritt ist Ortlieb auch im Super-G am Sonntag eine der Mitfavoritinnen, schließlich feierte die Vorarlbergerin ihren bisher einzigen Weltcup-Erfolg in dieser Disziplin.