Xabi Alonso blickte glücklich zu seinen tanzenden Ballzauberern herüber, der Spitzenreiter-Jubel vor der Leverkusener Kurve war wild. Steffen Baumgart machte seinen Spielern hingegen sofort nach dem Abpfiff lautstarke Ansagen. Hier die pure Euphorie des Tabellenführers, dort die kollektive Ernüchterung des Tabellenletzten - nach dem 90. rheinischen Derby schlugen die Emotionen in beide Richtungen aus.
Bayer Leverkusen rast weiterhin mit Galafußball durch die Saison. Das überzeugende 3:0 (2:0) gegen den Rivalen von der anderen Rheinseite war am Sonntag ein neuerlicher Ausweis von Klasse, Dominanz und Effizienz. Dass Jeremie Frimpong mit einem Siegesschrei am Tornetz riss und die anderen Spieler in Kleingruppen Erinnerungsfotos schossen, spiegelte die Bedeutung: Bayer erscheint reif für große Taten. Vielleicht sogar für die Meisterschaft?
"Wir dürfen träumen. Wir arbeiten tagtäglich, Woche für Woche, wir haben die Mentalität, laufen und kämpfen", betonte Granit Xhaka bei DAZN. "Es ist nicht nur der schöne Fußball - denn der bringt nichts, wenn wir die Tore nicht machen."
Im Duell der Gegensätze trafen Jonas Hofmann (22.), Frimpong (32.) und Victor Boniface (67.) vor 30.210 Zuschauern. FC-Trainer Steffen Baumgart ist nun mehr den je gefordert: Vier Liga-Niederlagen in Serie gab es für den FC in der Baumgart-Ära noch nie. "Wir haben versucht, unser Bestes zu geben, sind aber derzeit nicht auf diesem Niveau", sagte Torhüter Marvin Schwäbe frustriert.
"Wir werden mutig sein, wir werden nach vorne spielen", hatte Baumgart vor dem Anpfiff angekündigt. Doch davon war von Beginn an wenig zu sehen. Alonso setzte auf seine ausgeruhte Bundesliga-Formation, unter der Woche hatte der Spanier beim 2:1 in der Europa League bei Molde FK sieben Stammspieler lange oder gänzlich geschont.