Buchstäblich zu Tode geschuftet, hat sich ein erst 30 Jahre alter Chinese. Der Maler verstarb an Multi-Organ-Versagen, nachdem er 104 Tage lang durchgearbeitet hatte. Nur einen einzigen Tag war er in dieser Zeit nicht am Bau.
Ein Provinzgericht hat nun dem Arbeitgeber eine 20-prozentige Teilschuld am vorzeitigen Tod des 30-Jährigen zugewiesen. Das berichtet die englischsprachige "South China Morning Post" am Samstag unter Berufung auf die chinesische Zeitung "Guangzhou Daily".
Der Verstorbene, der in den Gerichtsunterlagen mit dem Namen A’bao aufscheint, hatte im Februar 2023 einen Job als Maler angenommen. Er sollte befristet bis Jänner dieses Jahres an einem Projekt im ostchinesischen Zhoushan werkeln – offenbar ohne Unterlass.
Ab Start soll der 30-Jährige dann bis in den Mai hinein durchgearbeitet haben. Nur am 6. April nahm sich der erschöpfte Mann frei, um wieder Kraft zu tanken. Ab 25. Mai machte sein Körper nicht mehr mit, A’bao musste schwer angeschlagen in den Krankenstand. Statt besser wurde es schlimmer.
Drei Tage später wurde er von besorgten Kollegen in ein Spital gebracht, wo eine Pneumokokken-Infektion und Atemversagen diagnostiziert wurden. Am 1. Juni verstarb der Chinese.
Seine Familie zog schließlich vor Gericht. Dort argumentierte das Unternehmen noch damit, dass die Arbeitslast "aushaltbar" und Überstunden freiwillig gewesen wären. Dazu schrieben sie den Tod einer Vorerkrankung zu.
Der Richter entschied anders: 104 Tage Dauerarbeit seien ein Verstoß gegen das chinesische Arbeitsrecht, das 8-Stunden-Tage und maximal 44 Stunden in einer Woche vorschreibt. Dieser Verstoß habe eine "signifikante Rolle" gespielt, den Körper und das Immunsystem des 30-Jährigen so weit geschwächt, dass die Erkrankung einen tödlichen Ausgang nahm.
Der Familie wurden umgerechnet 51.000 Euro Schadenersatz und 1.300 Euro Schmerzensgeld zugesprochen. Das Urteil wurde nach einer Berufung durch den Arbeitgeber im August in zweiter Instanz bestätigt.