389 Menschen riefen "Extremismus-Hotline" an

389 Erstanrufe - das ist im Vergleich zu Deutschland eine hohe Zahl. Religiös motivierter Extremismus war das häufigste Anrufmotiv. In zehn Fälllen wurde der Verfassungsschutz informiert.

Die "Beratungsstelle Extremismus" des Bundesministeriums für Familien und Jugend wurde am 1. Dezember 2014 gegründet. Seitdem gingen dort insgesamt 663 anrufe ein. Zieht man davon die Mehrfachanrufe ab, kommt man auf die Zahl 389. Soviele Menschen meldeten besorgniserregende Fälle.

Besonders Jugend- und Sozialarbeiter, Lehrer und Direktoren haben das Angebot genutzt. Sie riefen 143 Mal an, Angehörige griffen 87 Mal zu Telefon. Die Stelle leistet vor allem Präventionsarbeit, sie berät und vernetzt Anrufer mit anderen Angeboten.

Hohe Zahl an Anrufern

Die Zahlen sind vor allem im Vergleich zu Deutschland als hoch einzuschätzen. Dort gingen seit 2012 1.600 Anrufe ein. Ministerin    (ÖVP) sieht diesen Erfolg kritisch: "Dieser Erfolg der Anruferzahlen ist ein zwiespältiger. In einer idealen Gesellschaft bräuchten wir keine Beratungsstelle, aber wir sind froh, dass es das Angebot gibt."

Verfassungsschutz

Dass so eine Hotline durchaus Sinn macht, zeigt die Tatsache, dass bereits zehn Mal der Verfassungsschutz informiert wurde. Eltern, deren Kinder kurz vor der Ausreise aus Österreich stehen, wissen oft keinen andere Ausweg, erzählte die Leiterin der Beratungsstelle, Verena Fabris.

Ein Beispiel: Ein Mädchen hatte im Auslandssemester in Istanbul Verbindungen zu einem Austro-Dschihadisten aufgenommen, der sie nach Syrien locken wollte. Die Mutter rief bei der Beratungsstelle an, das Mädchen kehrte schließlich nach Österreich zurück und brach den Kontakt ab. 

In einem anderen Fall war es bereits zu spät: Der Vater meldete sich erst, als der Sohn bereits ausgereist war. "Hier konnten wir nichts mehr tun. Deshalb auch mein Appell an Angehörige, uns frühzeitig zu kontaktieren", so Fabris.

Ängste abbauen

Nicht immer sind die Fälle so drastisch. Die hohe Anzahl an Anrufen, die religiös motivierten Extremismus betreffen komme auch daher, dass es große Angst bei diesem Thema gibt. Die Stelle berät kostenlos und anonym auf Deutsch, Englisch, Türkisch, Persisch und Arabisch und bemüht sich, genau diese Ängste abzubauen.

Sie ist Montag bis Freitag von 10 - 15 Uhr besetzt und unter 0800/20 20 44 oder über office@beratungsstelleextermismus.at zu erreichen. 

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