Ein Pistenfahrer hat am 20. Jänner 2011 im Salzburger Skigebiet von Rußbach (Tennengau) einen vierjährigen Skifahrer übersehen: Eine Schneekanone war auf der Vorderseite des Fahrzeuges montiert und "schränkte damit das Sichtfeld erheblich ein", erklärte Staatsanwalt Michael Schindlauer heute, Freitag, bei einem Prozess am Landesgericht Salzburg. Der Lenker (51) der Pistenraupe und der Betriebsleiter (42) wurden von Richterin Daniela Schneider jeweils zu fünf Monaten bedingter Haft sowie zu einer Geldstrafe von 840 Euro beziehungsweise 2.160 Euro rechtskräftig schuldig gesprochen.
Ein Pistenfahrer hat am 20. Jänner 2011 im Salzburger Skigebiet von Rußbach (Tennengau) einen vierjährigen Skifahrer übersehen: Eine Schneekanone war auf der Vorderseite des Fahrzeuges montiert und "schränkte damit das Sichtfeld erheblich ein", erklärte Staatsanwalt Michael Schindlauer heute, Freitag, bei einem Prozess am Landesgericht Salzburg. Der Lenker (51) der Pistenraupe und der Betriebsleiter (42) wurden von Richterin Daniela Schneider jeweils zu fünf Monaten bedingter Haft sowie zu einer Geldstrafe von 840 Euro beziehungsweise 2.160 Euro rechtskräftig schuldig gesprochen.
Die bisher unbescholtenen Angeklagten gaben unter Tränen ein reumütiges Geständnis ab. Sie zeigten sich sehr betroffen über den tragischen Unfall auf der Talabfahrt "Hornbach", beide haben den einheimischen Buben gekannt. Verurteilt wurden sie wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen. Damals sei es üblich gewesen, dass Schneekanonen während des Pistenbetriebes transportiert würden, meinten die Beschuldigten unisono. Die Gefährlichkeit für die Skifahrer war ihnen nicht bewusst.
Nach drei schweren Unfällen mit Pistenraupen in den Jahren 2009 und 2011 hat das Land Salzburg 2012 eine Richtlinie verordnet, wonach der Einsatz von Pistenraupen während des Liftbetriebes nur noch für Rettungseinsätze und für betriebsnotwendige Fahrten erlaubt ist. "Man ist erst durch diese Vorfälle schlauer geworden", resümierte der Verteidiger des Betriebsleiters, Rechtsanwalt Harald Schwendinger. "Alle hätten bei besonderer Sorgfalt das Problem kennen können, aber sie haben es nicht erkannt."
Unglückliche Verkettungen
Der Verteidiger des Pistenraupenfahrers, Rechtsanwalt Josef Dengg, sprach von einer Verkettung besonders unglücklicher Umstände. Das spätere Opfer war mit einer Kinderskikursgruppe unterwegs. Weil ein Mädchen aus dem Tellerlift gefallen war, eilte ihr der Skilehrer zu Hilfe. "Er rief dem Buben zu, er solle an der Stelle auf die Gruppe warten", schilderte der Rechtsanwalt. Als die bergwärts fahrende Pistenraupe auf das Kind zufuhr, saß es auf der Piste. "Der Bub ist nicht aufgekommen, obwohl er die Pistenraupe kommen sah." Warum der Skifahrer nicht aufstand, bleibt ungeklärt. Er wurde von den Kettensegmenten des Pistenbullys überrollt. Jede Hilfe für den Kleinen kam zu spät.
Für den verkehrstechnischen Sachverständigen Gerhard Kronreif stand fest: Ohne der Schneekanone auf dem Räumschild wäre die Sicht für den Pistenraupenfahrer gut gewesen. Von der Geländekuppe, über die er mit dem Gerät gefahren war, bis zu dem Buben habe noch eine Distanz von 30 Metern bestanden. Bei der gefahrenen Fahrgeschwindigkeit von sechs bis acht km/h wäre ein rechtzeitiges Stehenbleiben möglich gewesen, dafür würde die Pistenraupe nur eine Wegestrecke von zwei bis drei Metern benötigen. Durch die Schneekanone war das Kind aber 14 bis 20 Sekunden "sichtverdeckt", sagte Kronreif.
Beifahrer hätte helfen können
Staatsanwalt Michael Schindlauer veranschaulichte die Gefährlichkeit, indem er zu bedenken gab: "Vier Personen werden von der Schneekanone verdeckt. Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass der Lenker jemanden übersieht." Eine Beifahrer, ein vorausfahrender Skidoo oder eine Absperrung hätten die Gefahrensituation entschärfen können, verwies Schindlauer auf die Aussagen des Gutachters. Die Verteidiger erklärten, dass ihre Mandanten alles dafür geben würden, um diesen tragischen Vorfall wieder rückgängig zu machen. "Ich hoffe, dass wir alle daraus gelernt haben und so etwas nie wieder vorkommt", sagte der Pistenraupenfahrer mit tränenerstickter Stimme.