Mindestens 80 Menschen, darunter 54 Zivilisten, seien nach unbestätigten Angaben am Mittwoch ums Leben gekommen, sagten Regierungsgegner. Am Vortag hatten die Gegner von Präsident Bashar al-Assad landesweit mehr als 250 Tote gezählt, darunter 51 Angehörige der Regierungstruppen. Den Aufständischen zufolge handelte es sich um den schwersten Armee-Beschuss in diesem Monat. Die meisten Opfer habe es in Damaskus, Aleppo und Deraa im Süden gegeben.
Auch ein Reporter der regierungsnahen syrischen Tageszeitung Tishrin ist unter den Opfern. Regimegegner berichteten, Musaab Audatallah sei von Angehörigen der Regierungstruppen in seinem Haus im Stadtteil Nahr Aisha erschossen worden. Der Sportjournalist soll sich kritisch über das Regime von Präsident Bashar al-Assad geäußert haben.
Panzer rücken vor
Die Zahl der Straßensperren in der Hauptstadt nimmt weiter zu. Auch in Vierteln, die nicht zu den Hochburgen der Aufständischen gehören, würden inzwischen routinemäßig Autos durchsucht und Passanten angehalten, berichteten Bewohner.
Im Stadtteil Kfar Souse seien 22 Panzer unterwegs. Im Schutz der Fahrzeuge würden je 30 Soldaten vorrücken, sagte ein Mann namens Bassam der Nachrichtenagentur Reuters per Internet-Telefon. "Sie durchsuchen die Häuser und exekutieren Männer."
Hunderttausende auf der Flucht
Hunderttausende Zivilisten sind auf der Flucht. Am Mittwoch verließen zahlreiche Menschen die seit Tagen umkämpfte Ortschaft Al-Harak in der Provinz Daraa. Die Allgemeine Kommission für die Syrische Revolution veröffentlichte Videoaufnahmen, die ihren Angaben zufolge die Flucht von Zivilisten aus dem Ort zeigen. Unter ihnen sind auch mehrere leicht verletzte Kinder.
Grenze zu Irak dicht
Die irakische Armee machte unterdessen den Grenzübergang Al-Kaim komplett dicht. Ein Armeesprecher sagte, der Übergang sei jetzt mit drei Meter hohen Betonsperren blockiert worden. Zur Begründung hieß es, die Freie Syrische Armee (FSA) habe den Grenzposten auf der syrischen Seite in Al-Bukamal überrannt. Da die irakische Regierung mit der FSA nicht kooperieren wolle, habe sie sich entschieden, den Grenzübergang zu schließen.
Biologische und chemische Waffen
Nach Informationen der deutschen Tageszeitung Die Welt verfügt Assad nicht nur über ein umfassendes Chemie-Waffenarsenal, sondern auch über zahlreiche biologische Kampfstoffe. Waffenexperte Hans Rühle zufolge arbeite das Regime in Damaskus an einsatzfähigen Erregern von Milzbrand, Pest, Tularemia (Hasenpest), Botulinum, Cholera, Ricin, Kamelpocken, Blattern und Aflatoxin.
Tote im Libanon
Der Bürgerkrieg in Syrien greift inzwischen auch auf das Nachbarland Libanon über. In der nordlibanesischen Küstenstadt Tripoli dauerten die Kämpfe zwischen Alawiten und Sunniten weiter an. Nachdem am Dienstag bei den Zusammenstößen zwischen Anhängern und Gegnern von Syriens Präsident Assad sechs Menschen getötet und 75 weitere verletzt worden waren, wurden am Mittwoch nach Krankenhausangaben zwei weitere Menschen getötet. 15 Menschen, darunter fünf Soldaten, seien verletzt worden.