Besonders die zuständige Burghauptmannschaft sieht Handlungsbedarf. Eine Messung am Hofburgareal in der Wiener Innenstadt ergab zahlreiche Hitze-Hotspots. Denen will man längerfristig entgegen wirken.
Grundlage der Studie ist sogenannte physiologisch äquivalente Temperatur, kurz PET. Sie bezeichnet die gefühlte Temperatur. Dabei werden etwa Faktoren wie die Lufttemperatur, Sonneneinstrahlung, Reflektionen, Wind oder Feuchte berücksichtigt.
Berechnet wurde dabei für einen durchschnittlichen Sommertag mit einer Temperatur von über 25 Grad. "Natürlich wissen wir, dass auch die Hitzetage mit einer Temperatur über 30 Grad immer mehr werden. Wir haben uns aber bewusst gegen das Extrem entschieden", erklärt Burghautpmannschaft-Sprecher Christian Gepp.
Eine Hitzekarte des Hofburgareals bis hin zum Maria-Theresien-Platz zwischen den Museen zeigt dabei: es gibt enorme Hitzeinseln. Dabei merkt man, dass die Hitzeinsel vor allem über den Tag hinweg zunehmen. Besonders der Bereich vor der neuen Burg oder auch in den Innenhöfen und Vorplätzen des Kunst- und Naturhistorischen Museums. Deutlich kühler hingegen ist es beispielsweise dort, wo vermehrt Rasen oder gar Bäume stehen.
Die Hotspots gehen dabei auf bis zu 45 Grad gefühlte Temperatur hoch. In den geschützteren Bereichen rund um Begrünung bleibt sie hingegen mit um die 30 Grad gefühlte Temperatur vergleichsweise niedrig. Dennoch will die Burghauptmannschaft in Zusammenarbeit mit Meterologen und Umweltmedizinern der MedUni Wien einen Maßnahmenkatalog erstellen, wie man diese Temperatur weiter senken kann.
"Wir stehen an diesem Areal vor besonderen Herausforderungen", erklärt Gepp. Das Areal ist sehr vielfältig. Die Hofburg dient als Veranstaltungszentrum, es gibt in diesem Bereich etwa 5.000 Arbeitsplätze. Hinzu kommen laut Gepp die etwa 20 bis 25 Millionen Besucher des Areals jährlich, darunter viele internationale Touristen. Erschwerend kommt auch der Denkmalschutz hinzu, der viele mögliche Maßnahmen hier verhindert. "Man muss hier möglichst kreativ werden, um allen Anforderungen des Areals zu entsprechen", so Gepp.
Wie genau die Maßnahmen aussehen kann man derzeit noch nicht sagen, der Katalog wird derzeit erarbeitet. Vergleichsweise schnell umgesetzt werden können etwa zusätzliche Begrünung oder Parkbänke mit eingebautem Dach, welches Schatten spendet. "Sich im Schatten aufzuhalten, lässt die gefühlte Temperatur schon rasch sinken", erklärt Gepp. Am Maria-Theresien-Platz arbeitet man derzeit auch an Brunnensanierungen, um zu dieser Senkung beizutragen.
Längerfristig müsse man auch andere Dinge betrachten. Sollte es bautechnisch möglich sein, wären auch Cooling-Stationen rund um das betroffene Areal vorstellbar, so der Sprecher. Die Burghauptmannschaft überlegt auch eine neue Wegführung, angepasst an die Schatteninseln des Gebiets. "Ziel ist es, am Hofburgareal einen klimafitten Raum zu schaffen, der auch im Sommer – trotz der bereits unvermeidbaren Auswirkungen der Klimakrise – weiterhin gerne genutzt wird", heißt es abschließend.