5 Experten sagen, ob wir 2021 wieder am Strand urlauben

Viele ächzen derzeit nach Sonne, Strand und Meer. Doch wie lange werden wir darauf noch warten müssen?
Viele ächzen derzeit nach Sonne, Strand und Meer. Doch wie lange werden wir darauf noch warten müssen?Getty Images/iStockphoto
Wie wird sich das Thema Reisen dieses Jahr entwickeln? Wann können wir wieder reisen wie vor der Krise? Experten aus der Reisebranche packen aus.

Die Branche blickt mit gemischten Gefühlen auf 2021. Wird sich das Reisejahr 2020 wiederholen oder wird es eine Kehrtwende geben? Dazu sagt der Tourismusprofessor Christian Laesser von der Universität St. Gallen: "Ich gehe davon aus, dass wir im Sommer, zumindest wieder mit angezogener Bremse, reisen können." Er denke, dass ein Großteil der europäischen Länder mit den üblichen Restriktionen, wie der Maskenpflicht und anderweitigen Beschränkungen, zugänglich sein werden.

Patrick Heymann, Chief Commercial Officer bei Edelweiss Air, sieht das auch so: "Wir rechnen damit, dass wir im Sommer, speziell im Mittelmeerraum, eine Normalisierung im Tourismus erleben werden." Dieter Zümpel, CEO von DER Touristik Schweiz, hofft auf einen Nachholeffekt, sagt: "Wir scharren mit den Hufen im Hinblick auf den Sommer." Noch sei das Buchungsverhalten verhalten, doch Zümpel weiß: "Die Kundinnen und Kunden sind noch verunsichert durch die sich ständig ändernden Massnahmen." Im 2021 werde vermehrt kurzfristig gebucht, um diesen Unsicherheiten zu begegnen.

Werden wir auch wieder in die Ferne reisen?

Auch Fernreisen sollen dieses Jahr wieder möglich sein, ist Stephan Roemer (Diethelm Travel Group) überzeugt: "Ich rechne mit graduellen Öffnungen, wie man es aktuell in Sri Lanka sieht." Die Nachfrage sei grundsätzlich vorhanden, die Destinationen, die offen seien, etwa die Malediven oder die Länder Ostafrikas, spürten bereits eine erhöhte Nachfrage beim Tourismus. Heymann kann das bestätigen, er sagt: "Bei den Malediven erkennen wir bei Edelweiss Air bereits ein erhöhtes Buchungsverhalten für Ostern und den kommenden Frühling." Ein Optimismus, den André Lüthi von der Globetrotter Group teilt – dennoch ergänzt er: "Wir rechnen damit, dass das Reisejahr 2021 mit 60 Prozent weniger Umsatz im Vergleich zu 2019 abschließen wird." Er gehe davon aus, dass wir die Welt ab Frühling 2022 wieder so bereisen können wie vor der Krise.

Alle Reiseveranstalter sind sich einig, dass reiseerfahrene Kunden und Kundinnen die ersten sein werden, die wieder für Buchungen sorgen. Dieter Zümpel sagt: "Wir erwarten eine schnellere Erholung bei den Individualreiseanbietern unserer Gruppe, beispielsweise Kontiki Reisen oder Manta Reisen." Doch auch wenn ab 2022 eine Normalisierung einkehren sollte, die Branche an sich werde laut André Lüthi frühestens 2023 oder gar 2024 wieder das Niveau von 2019 erreichen.

Impfpflicht bei Auslandreisen ist ein heißes Eisen

Große Hoffnungen steckt die Branche in die Covid-19-Impfungen. Patrick Heymann von Edelweiss Air sagt: "In einem Jahr Pandemie waren wir bis jetzt nur reaktiv. Nun schaut es so aus, dass wir ein Mittel zur Verfügung haben könnten, das die Zahlen senkt." Dem schließt sich Römer an: "Ich hoffe auf einen Impferfolg."

Das Thema "Impfpflicht bei Auslandsreisen", da sind sich alle einig, sei ein heißes Eisen. Und doch sagt André Lüthi: "Wenn es der Gesundheit der Menschen und der Existenzsicherung von hunderttausenden Menschen, die im Tourismus tätig sind, hilft, dann sollten wir in den sauren Apfel beißen." Es gehe in dieser Krise nicht nur um das Heimatland: "Die großen Dramen finden nicht bei uns, sondern in den Zieldestinationen statt."

Nun folgt das große Aber. Bis jetzt gibt es keine Evidenz, dass eine Impfung eine Übertragung verhindert. Doch genau das sei der entscheidende Punkt, sagt Tourismusprofessor Laesser: "Das wünschenswerte Szenario wäre, dass die Impfung eine Übertragung verhindert". Dann gäbe es keinen Grund mehr für Quarantäneregelungen. Doch wäre dem nicht so, dürften die Einschränkungen laut Laesser hoch bleiben. Kaum ein Land würde Touristen ohne Einschränkungen willkommen heißen, wenn diese die noch nicht durchgeimpfte Bevölkerung anstecken könnten.

Optimismus ist dennoch angesagt

Patrick Heymann sagt: "Wir sind zuversichtlich." Man gehe davon aus, dass die Destinationen, die bereits angeflogen werden, auf dem Flugplan bleiben werden. Man beobachte auch positive Entwicklungen. Punta Cana sei beispielsweise attraktiv, sagt Heymann, "checkt man als Gast in einem Hotel ein, erhält man dazu gleich eine Reiseversicherung, die allfällige medizinische Kosten im Zusammenhang mit einer Coronainfektion deckt. Das erhöht die Sicherheit."

Dazu kommt, dass die diversen Reiseanbieter bei den Annulationsregelungen aktuell äußerst flexibel und kundenorientiert agieren. Bei einigen Anbietern können Kunden und Kundinnen gar bis zwei Wochen vor Abreise, ohne Angabe von Gründen, kostenlos stornieren.

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