Der Tropensturm "Washi" forderte auf den Philippinen bereits 650 Todesopfer. Die Menschen wurden zu spät gewarnt, Familien durch die Katastrophe auseinandergerissen. Tote treiben im Meer, Zehntausende sind Obdachlos.
Der Tropensturm "Washi" forderte auf den Philippinen bereits 650 Todesopfer. Die Menschen wurden zu spät gewarnt, Familien durch die Katastrophe auseinandergerissen. Tote treiben im Meer, Zehntausende sind Obdachlos.
Nach den schweren Überschwemmungen auf den Philippinen ist die Zahl der Todesopfer auf 652 gestiegen. Mindestens 808 Menschen wurden nach Angaben des Roten Kreuzes am Sonntag noch vermisst, nachdem das Unwetter in der Nacht zum Samstag über die Insel Mindanao hinweggefegt war und Sturzfluten ausgelöst hatte. 35.000 Menschen wurden vorerst in Rettungszentren untergebracht.
"Die Fluten haben alles, aber auch alles fortgerissen"
Der Schock lässt Wensito Pulusans Stimme zittern. Der 49-jährige Fahrer steht in der Stadt Cagayan de Oro im Süden der Philippinen, dort, wo früher sein Haus stand. Es ist von den , fortgeschwemmt worden. "Es ist Brachland, hier steht nichts mehr", sagte Pulusan. "Die Fluten haben alles, aber auch alles fortgerissen. Selbst große Muldenkipper schwammen in den Fluten."
"Der Herrgott hat uns überleben lassen"
Der Familienvater konnte sich mit seiner Frau und seiner 20-jährigen Tochter zum Haus seines Bruders retten und aufs Dach klettern. Der ganze Dachstuhl wurde nach seinen Angaben abgerissen und bis an den nahe gelegenen Strand gespült. "Der Herrgott hat uns überleben lassen", sagte er. Viele seiner Nachbarn seien tot, aufgebahrt in einer Schule. Statt der Siedlung sei weit und breit nur noch Schlamm und Matsch zu sehen, Schutt von zusammengebrochenen Häusern, umgestürzte Bäume und völlig verbeulte Autos.
Bei Messe von Flut überrascht
Rovmel Trinidad aus der ebenfalls schwer getroffenen Stadt Iligan berichtete im Rundfunk, er wurde mit seiner Mutter am Samstag in der Frühmesse von den Wassermassen überrascht. "Es hatte aufgehört zu regnen, deshalb dachten wir, die Lage ist ok", sagte er. Dann sei das Wasser plötzlich in die Straßen gerauscht und rasant angestiegen. "Wir standen plötzlich bis zur Brust im Wasser, und es stieg immer weiter", erzählte Trinidad.
Ehefrau und drei Kinder von Wassermassen fortgerissen
Viele Bewohner harrten zu lange in ihren Häusern aus, weil sie nach eigenen Angaben nicht richtig gewarnt worden waren, berichtete der Zeitung Inquirer. Dazu gehörte die Familie Cabillo in der Ortschaft Tambo. Als das Wasser kam und durch das Haus rauschte, war es zu spät. Vater Bryan Cabillo sagte der Zeitung, seine Frau und drei Kinder seien von den Fluten fortgerissen worden. Er habe versucht, sie zu retten, aber gegen die starke Strömung des Wassers keine Chance gehabt.
650 Todesopfer - Suche nach Vermissten geht weiter
Nach den verheerenden Sturzfluten auf den Philippinen durchkämmen Soldaten, Zivilschutz und Freiwillige die Straßen auf der Suche nach Hunderten Vermissten. Die Zahl der Todesopfer stieg bis Sonntag auf 650, berichtete das Rote Kreuz. Der Tropensturm "Washi" war in der Nacht auf Samstag mit sintflutartigem Regen über die Insel Mindanao im Süden des Landes hinweggezogen. Mehrere Flüsse traten binnen kürzester Zeit über die Ufer. Das Wasser schoss teils meterhoch durch die Straßen. Die meisten Opfer wurden im Schlaf überrascht.
Leichen wurden ins Meer gespült
Am schwersten betroffen waren die beiden Küstenstädte Cagayan de Oro and Iligan an der Nordküste der Insel mit zusammen fast einer Million Einwohner. Dort allein kamen mindestens 445 Menschen ums Leben. "Es ist überwältigend, so viele Vermisste", sagte der Chef des Büros für Zivilverteidigung, Benito Ramos. "Viele Leichen sind aufs Meer hinaus gespült worden." Es könne Tage dauern, bis die Leichen wieder auftauchen, sagte Ramos. "Es wird einige Zeit brauchen, diese Aufgabe abzuschließen."
32 Kilometer mitgerissen - Autoreifen rettete ihr Leben
Eine Frau berichtete im Radio, dass sie sich zusammen mit anderen an einen Autoreifen klammern konnte und von den Wassermassen 32 Kilometer weit mitgerissen wurde. "Der schlimmste Alptraum, den man sich vorstellen kann", sagte sie.
Wasserwand raste durch Straßen
Der Sturm fegte mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 90 Kilometern pro Stunde über den Süden des Landes hinweg und brachte heftige Überschwemmungen sowie Erdrutsche mit sich. Das Wasser schwoll in mehreren Flüssen in kürzester Zeit an, trat über die Ufer und rauschte in einigen Gemeinden wie eine Meter hohe Wasserwand durch die Straßen. Die Wassermassen rissen viele der oft leicht gebauten Häuser mit. Manche Einwohner konnten sich in letzter Minute auf ihre Dächer retten. Andere sprangen aus dem zweiten Stockwerk in Rettungsboote.
APA/Red.