Die Job-Aussichten für Akademiker sind 2013 ausgezeichnet. "Gleich vorweg kann festgehalten werden, dass es im Bereich der Arbeitsplätze für Akademiker voraussichtlich weiterhin Zuwachsraten geben wird", heißt es in einer vom Arbeitsmarktservice (AMS) herausgegebenen Studie. Doch wieviele Akademiker braucht der Arbeitsmarkt?
Die Job-Aussichten für Akademiker sind wie schon 2013 auch 2014 ausgezeichnet. Im Bereich der Arbeitsplätze für Akademiker wird weiterhin mit Zuwachsraten gerechnet. Doch wieviele Akademiker braucht der Arbeitsmarkt?
Im europäischen Vergleich wird in Österreich in den nächsten zehn Jahren sogar das höchste Wachstum an hochqualifizierten Erwerbspersonen erwartet: während für die EU-27 zwischen 2010 und 2020 ein Plus von 20 Prozent prognostiziert wird, sind es in Österreich 70 Prozent.
Höchste Zuwachsraten
In Österreich nahm die Zahl der Erwerbstätigen zwischen 2004 und 2010 insgesamt um 9,4 Prozent zu, die Zahl der erwerbstätigen Hochschulabsolventen im gleichen Zeitraum dagegen um fast 27 Prozent. Die Berufsgruppe mit den sowohl prozentuell (plus 31 Prozent) als auch absolut (plus 85.000 Personen) höchsten Zuwachsraten am Arbeitsmarkt waren die Wissenschafter.
Der Trend zur stärkeren Beschäftigung von Akademikern hat laut Studie des AMS (Arbeitsmarktservice) von 2013 "bereits mehrere Konjunktureinbrüche und externe Schocks überstanden und die grundsätzliche Einschätzung eines steigenden Bedarfs an Hochqualifizierten wird von einer Reihe von Faktoren genährt, wie der zunehmenden Tertiärisierung und der Internationalisierung der Wirtschaft und dem demographischen Wandel".
Beispiel Forschung: Nicht alles ist positiv
Trotzdem gibt es einige Wermutstropfen: So ist im Gegensatz zu Absolventen anderer Bildungsabschlüsse der Berufseinstieg von Akademikern insbesondere in der Forschung "häufig durch eine Phase atypischer Beschäftigungsverhältnisse gekennzeichnet" - dies gilt vor allem für geistes-, sozial- und kulturwissenschaftliche Studien.
Absolventen dieser Fächer haben auch größere Probleme, eine stabile Berufslaufbahn einzuschlagen, während im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich (außer Psychologie und zum Teil Biologie) die Nachfrage nach Arbeitskräften höher als das Angebot ist. Die Arbeitsmarktsituation bei den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaftern wird sich aufgrund der steigenden Absolventenzahl "tendenziell verschärfen".
Angesichts der langsamer wachsenden Bildungsbeteiligung der Männer am weiterführenden Schulwesen und der höheren Frauenerwerbstätigkeit erwartet die Studie eine Verschiebung der Struktur des Qualifikationsangebots in Richtung der weiblichen Domänen: "Frauen mit Hochschulabschluss werden also tendenziell noch stärker mit Frauen und weniger mit männlichen Hochschulabsolventen um Arbeitsplätze konkurrieren." Entgegenkommen dürfte ihnen die Pensionswelle im Bundesdienst mit rund 50.500 Ruheständen zwischen 2007 und 2020, wobei rund ein Drittel auf das "stark weiblich dominierte Beschäftigungsfeld der LehrerInnen" entfällt.
Braucht Arbeitsmarkt weniger Akademiker als erwartet?
Die Vorstellung, dass in einer wissensbasierten Dienstleistungsökonomie primär neue Jobs auf höherem Qualifikationsniveau geschaffen werden, erweist sich laut einer anderen Studie (Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw) von 2013 allerdings "als wenig realistisch oder zumindest einseitig" und konterkariert damit die AMS-Studie ein wenig. Tatsächlich schaffe der berufliche Wandel "Jobs auf allen Qualifikationsniveaus".
Auch künftig werden demnach rund 80 Prozent der Arbeitsstellen mit beruflicher Aus- und Weiterbildung (betriebliche Einarbeitung, Lehre, Fachschule, berufsbildende höhere Schule) zugänglich sein. Auch bei einem mittelfristigen Wachstum bei akademischen und verwandten Berufen könne man davon ausgehen, dass "voraussichtlich unter 20 Prozent der Jobs akademische Graduierung als typisches Einstellungserfordernis aufweisen werden". Mittelfristig sollten Hochschulabsolventen daher auch stärker abseits der traditionellen akademischen Berufe nach Jobs suchen.
Pflegeberufe suchen stark nach Personal
Insgesamt entstehen laut Prognose des Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) zwischen 2010 und 2016 zusätzliche 170.000 Stellen (plus 5,3 Prozent) für unselbstständig Beschäftigte, für 52.100 Stellen werden Personen mit akademischer oder vergleichbarer Qualifizierung benötigt.
Das größte Wachstum wird den Pflegeberufen (plus 21.400) sowie Krankenpflege und Geburtshilfe (plus 19.700) vorhergesagt. Erst auf Platz acht finden sich als erste Akademiker die Naturwissenschafter (plus 13.200), gefolgt von Biowissenschaftern und Medizinern (plus 8.900), Architekten und Ingenieuren (plus 6.300). Juristen (5.600) und Sozialwissenschafter (plus 5.300) kommen auf Platz zwölf bzw. 13.