So läuft die 'Zettelwirtschaft' in den Lokalen wirklich

Gäste in Lokalen müssen ihre Daten angeben. Im Wiener Café Hummel sind die Meinungen darüber gespalten. Die Entsorgung der Daten bereitet Sorgen. 

Auf den ersten Blick schaut alles ganz normal auf, das Café Hummel in der Josefstädter Straße (Wien-Josefstadt) ist voll, die Stimmung beim Lokalaugenschein gut. "Für einen verregneten Montag sind wir gut besucht", sagt Betreiberin Christina Hummel im Gespräch mit "Heute". Doch eines fällt auf: Gäste sitzen über kleinen Zetteln, tragen Name, Handynummer, E-Mail, Datum, Uhrzeit und Tischnummer ein. Bis jetzt gebe es keine Probleme damit, so Hummel. "Das Ausfüllen dauert nur 20 Sekunden." Die Gäste würden sich an die Registrierpflicht halten. Der Kellner sammelt die ausgefüllten Papiere ein und verstaut sie in einer Box. Dann werden sie vier Wochen lang aufbewahrt.

Namenszettel schreddern

Gibt es einen Corona-Fall können so alle Gäste verständigt werden, die zur selben Uhrzeit im Lokal waren. "Ich habe jetzt einmal 7.000 Zettel für zwei Wochen bestellt. Das hat 300 Euro gekostet." Demnächst will Christina Hummel aus Kostengründen auf eine digitale Lösung umstellen. Denn die Zettel bringen auch ein Datenschutzproblem mit sich: "Wir dürfen sie nicht einfach wegschmeißen, die Zettel muss man schreddern." Die Kosten tragen einmal mehr die Wirte.

"Wirt ist kein Polizist"

Während junge Gäste die Registrierpflicht positiv sehen, haben ältere Stammgäste Bedenken. "Das ist wie in der DDR, was kommt als nächstes?", fragt eine Dame und verspeist ihren Backhendlsalat. "Ich finde das sinnvoll, solange die Daten nicht weitergegebn werden", so Studentin Helene (20). "Ich bin nicht so überzeugt von der Aktion“, erklärt Stammgast Fritz L. (73). Denn der Lokalbetreiber könne die angebebenen Daten nicht kontrollieren. "Der Wirt ist kein Polizist." Streit mit Verweigerern gab es im Café Hummel am Montag nicht. 

"Leute sollen runterkommen"

Nicht überall funktionierte die Gäste-Registrierpflicht so reibungslos. Laut Wirtschaftskammer Wien (WKW) gab es insgesamt viele Gäste, die eine Eintragung verweigerten. Laut einer Blitzumfrage sind aber 60 Prozent dafür. Wirte hätten von wilden Diskussionen mit Gästen berichtet, die ihre Daten nicht bekanntgeben wollten, berichtet WK-Gastro-Chef Peter Dobcak gegenüber wien.orf.at. Er befürchtet Umsatzrückgänge, appelliert auch an die Verweigerer, sich einzutragen. "Die Leute sollen runterkommen." Es sei nichts dabei, Name, E-Mail und Telefonnummer anzugeben. Die Daten werden nur vier Wochen aufgehoben, dann entsorgt. Auf Social Media würden Daten viel leichtfertiger hergegeben werden. 

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