71 tote Flüchtlinge waren Riesen-Hitze ausgesetzt

Nach der Flüchtlingstragödie auf der A4 Ostautobahn bei Parndorf mit 71 toten Flüchtlingen in einem Lkw liegt jetzt das abschließende Obduktionsgutachten der Gerichtsmedizin Wien vor.

Nach der Ostautobahn bei Parndorf mit 71 toten Flüchtlingen in einem Lkw liegt jetzt das abschließende Obduktionsgutachten der Gerichtsmedizin Wien vor.

Das Department für Gerichtsmedizin der MedUni Wien hat alle von der Staatsanwaltschaft Eisenstadt beauftragten Untersuchungen im Zusammenhang mit den 71 Opfern, die am 27. August in dem verschlossenen LKW auf der A4 Ostautobahn tot aufgefunden worden waren, am Freitag abgeschlossen. Die obduzierten Leichen der 71 Opfer sind jetzt zur Beerdigung freigegeben.

Das Obduktionsgutachten und alle Untersuchungsergebnisse liegen nun bei der Staatsanwaltschaft Eisenstadt. "Die außerordentlich schnelle Erledigung durch die Gerichtsmedizin Wien ist der extremen Ausnahmesituation dieser menschlichen Katastrophe geschuldet", erklärt Daniele U. Risser, Leiter der Gerichtsmedizin an der MedUni Wien.

"Zweifellos größte Herausforderung"

"Diese Tragödie war nach dem Brand im Hotel am Augarten 1979 mit 25 Toten zweifellos die größte Herausforderung in der jüngeren Geschichte der Gerichtsmedizin Wien."

Das ist eindeutig, obwohl durch den fortgeschrittenen hitze- und lagerungsbedingten Fäulniszustand der Leichen spezielle Untersuchungsmethoden nur mehr eingeschränkt möglich gewesen sind.

Über 50 Experten nötig

Risser leitete zwei Wochen ein 27-köpfiges Team, bestehend aus 17 Mitarbeitern der Gerichtsmedizin sowie Sachverständige für Forensische Toxikologie, Chemie und Zahnmedizin, Spezialisten für Virologie und Bakteriologie, Fachärzten und Sachverständige für Innere Medizin, Lungenkrankheiten und Intensivmedizin sowie eine Arabistin der Universität Wien zur Übersetzung der bei den Opfern gefundenen Dokumente.

Unterstützung kam weiters mit über 20 Beamten von den Tatortgruppen der Landeskriminalämter Burgenland, Niederösterreich und Wien beim Lokalaugenschein und der Bergung der Opfer sowie der Sicherstellung von Beweismitteln. Parallel dazu wurde aufgrund der hohen Anzahl an unbekannten Opfern auch das DVI-Team (Desaster Victim Identification) unter der Führung des Innenministeriums aktiv.

Leichen lange großer Hitze ausgesetzt

Dass nicht alle Leichen identifiziert werden konnten, lag an der großen Hitze im Lkw. Diese ist neben Ersticken auch die Hauptursache für den Tod der 71 Menschen. Wäre ein Kühl-Lkw rascher zur Verfügung gewesen, wären die Leichen besser zu indetifizieren gewesen.

Nachdem sich von der Polizei angefragte Unternehmen nicht in der Lage gesehen hatten, einen solchen Kühl-Lkw zur Verfügung zu stellen, mussten die Opfer zuerst auf ein Asfinag-Gelände in Parndorf und von dort zu der ehemaligen Grenztierarztstation in Nickelsdorf gebracht werden. Risser: "Durch diese Verzögerung ist der Fäulnisprozess der Leichen leider verstärkt worden."

Anlaufstelle für Angehörige

Angehörige, die Verwandte unter den Opfern vermuten, können sich an die dafür eingerichtete Hotline (Tel.: 05 9133 103 333) bzw. per E-Mail (lpd-b-lka@polizei.gv.at) an die Landespolizeidirektion Burgenland oder das Landeskriminalamt, Besetzungsdienst (Journaldienst durchgehend besetzt), Neusiedler Straße 84, 7000 Eisenstadt, Burgenland wenden.

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