84-Jährige ist die "Fashion Icon" im Seniorenzentrum

Kleider von der Stange kommen bei Anna Janisch (84) kaum in den Kasten. Sie näht sich ihre Kleidung lieber selbst. Für "Heute" modelte sich auch.

Im Tageszentrum Winarskystraße des Fonds Soziales Wien treffen sich Senioren um tagsüber gemeinsam verschiedenen Aktivitäten nachzugehen. Beim "Heute"-Besuch trainiert eine Gruppe unter der Anleitung einer Physiotherapeutin mit Bällen, einen Raum weiter entstehen Kunstwerke aus Keramik. Hier treffen wir auch auf Anna Janisch.

Die 84-Jährige ist gerade dabei mit viel Sorgfalt eine kleine Schale zu formen. Das Töpfern ist nur eines von vielen Talenten der Seniorin. Denn mit ihren Nähkünsten hat sie sich im Tageszentrum längst den inoffiziellen Titel der "Fashion Icon" erschneidert.

Design-Karriere begann für fünf Jahren im Nähkurs

Dabei sitzt Frau Janisch noch gar nicht solange an der Nähmaschine. "Ich habe vor rund fünf Jahren bei einem Nähkurs begonnen", erzählt sie gegenüber "Heute". Als Teenager habe sie in der Haushaltsschule zwar einige Grundkenntnisse gelernt, etwa zu Sticharten und wie man Kleidung kürzt. Mit dem Designen habe sie aber erst mit Beginn des Nähkurses begonnen. Mittlerweile hat sie sich eine vollständige Garderobe erschneidert, darunter fünf Kostüme und vier Mäntel. Im Geschäft kauft sie nur Pullover oder Steppwesten, weil "die sind durch die Wattierung schwer zu nähen", erklärt sie.

"Den meisten Stoff bekomme ich geschenkt. Dann kaufe ich einen passenden Stoff dazu", erklärt Frau Janisch. So ist etwa auch die Jacke entstanden, die die kreative Wienerin bei unserem Termin trägt: Durch das Zusammenspiel von Baumwollstoff und Bouclé und den ausgefallenen Knöpfen entsteht ein lila Unikat, für das so manche Seniorin viel Geld bezahlen würde. Trotzdem bleibt Frau Janisch bescheiden: "Schulterpolster einnähen ist ja kein Problem, nur bei den Ärmel wird es schwieriger. Da plage ich mich manchmal", schmunzelt sie. 

"Ich kann nicht nur fernsehen, ich muss was tun"

Neben dem Nähen zählt auch das Marmelade einkochen zu Frau Janisch' Hobbies. "Ich kann nicht einfach nur den ganzen Tag vorm Fernseher sitzen, ich muss was tun. Und wenn ich mit den Händen arbeite, geht es auch immer besser", so die 84-Jährige. Dass Frau Janisch trotz ihres Alters noch so aktiv und kreativ ist, hat auch viel mit Kampfgeist zu tun.

Zweimal wurde bei ihr Brustkrebs diagnostiziert, vor rund einem Jahr hat sie sich bei einem Sturz das Jochbein gebrochen. Wegen einem "Restless leg"-Syndrom und Vorkammerflimmern muss sie täglich Medikamente nehmen. Dennoch legt sie den Weg von ihrer Wohnung nahe der WU Wien (Leopoldstadt) bis zum Tageszentrum in der Winarskystraße 13 (Brigittenau) zu Fuß zurück. 

"Wenn die Frisur nicht passt, schaut das nix gleich"

Ihre textilen Kreationen – dabei hat Frau Janisch keine Angst vor Farbe, am liebsten hat sie hell- oder dunkelblau – trägt sie aber nur zu besonderen Anlässen oder wenn sie das Tageszentrum besucht. "Zum Einkaufen trage ich normale Hosen". Gemeint sind damit das oft in Kleidung für ältere Personen vorherrschende Grau oder Braun. "Denn sonst falle ich zu sehr auf, das will ich auch nicht", schmunzelt Frau Janisch. Dennoch ist es ihr wichtig, gut angezogen zu sein. Dazu gehört auf das passende Styling, wie die Wienerin erklärt: "Meine Mutter hat immer gesagt: 'Du kannst noch so gut angezogen sein, wenn du keine gescheite Frisur hast, schaut das nix gleich'". 

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