91.000 Au-pair-Mädchen klagen für mehr Rechte

Sie brachte alles ins Rollen: Au-pair-Mädchen Johanna B. klagte und alle schlossen sich ihr an.
Sie brachte alles ins Rollen: Au-pair-Mädchen Johanna B. klagte und alle schlossen sich ihr an.Bild: zVg
Johanna B. aus Kolumbien wurde als Au-pair in den USA schlecht behandelt und klagte – 91.000 Mädchen schlossen sich ihr an.
Sie musste in den USA den Stall ausmisten, die Hühner füttern, die ganze Familie bekochen und fast rund um die Uhr für einen Hungerlohn um 3,50 Euro pro Stunde arbeiten: Der Skandal um das Au-pair-Mädchen Johanna B. aus Bogotá (Kolumbien) aus dem Jahr 2011 hatte für viel Wirbel gesorgt. Doch jetzt könnte der Fall das Au-pair-Programm der USA sogar zum Einsturz bringen. Grund: Ihrer Klage haben sich nicht nur 91.000 Mädchen angeschlossen – ein Bundesrichter ließ nun erstmals die Sammelklage zu!

Nachdem sie mehrmals abgewiesen wurde, akzeptierte der Richter in Denver (USA) die Klage und will einen Prozess vor Gericht zulassen – die renommierte New Yorker Anwaltskanzlei "Boies, Schiller and Flexner", die den Fall vertritt, klagt dabei insgesamt 15 Au-pair-Austauschorganisationen an.

Sie musste im Keller schlafen und bekam Essensreste vorgesetzt

Johanna B. hatte 2011 bei ihren Gasteltern in Highland Ranch bei Denver die Hölle erlebt: Als billige Arbeitskraft sollte sie fast rund um die Uhr – und nicht nur wie vereinbart 45 Stunden die Woche – als Babysitterin auf die Kinder aufpassen, für die gesamte Familie kochen, Wäsche waschen, das Haus putzen und sich um die acht Hühner in einem Stall kümmern. "Ich war das Dienstmädchen für alles", sagt sie. Zudem musste sie im Keller schlafen und bekam Reste der Familie zum Essen. Um den Job überhaupt antreten zu können, hatte sie der zuständigen Austausch-Agentur knapp 2.000 Euro "Bearbeitungsgebühr" bezahlen müssen.

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch. Nach einigen Monaten brach sie ab und klagte – von der Austausch-Agentur hatte sie keinerlei Hilfe erhalten: "Alles, was sie mir erzählt hatten, war eine Lüge", so B. Die gemeinnützige Organisation "Toward Justice" setzte sich für die Kolumbianerin ein und fand weitere Opfer. So wurde gefordert, dass Au-pair-Mädchen Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn haben, der je nach Bundesstaat zwischen 7,25 Dollar (5,90 Euro) und 15 Dollar (12 Euro) liegt. Johanna B. war mit 4,25 Dollar (3,50 Euro) pro Stunde abgespeist worden – ohne Überstunden.

Haben die Austausch-Agenturen Billiglöhne abgesprochen?

Der Vorwurf der aktuellen Kläger ist, dass die 15 Agenturen das Au-pair-Programm in eine Vermittlungsstelle von billigen Arbeitskräften und Babysittern verwandelt und Niedriglöhne abgesprochen hätten. "Das hat schon längst nichts mehr mit der ursprünglichen Idee eines Kulturaustausches zu tun", steht in der Klageschrift. Zum Vergleich: Ein regulärer Babysitter kostet in den USA bis zu 25 Dollar (20 Euro) die Stunde. Die beschuldigten Agenturen haben die Anklagepunkte in einer ersten Stellungnahme zurückgewiesen – und erklärten, dass Au-pair-Mädchen kein Lohn, sondern ein Taschengeld ausgezahlt wird, da sie ja Kost und Logis umsonst erhalten ...

Der Gerichtstermin steht noch nicht fest.



(tas)

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