A Way Out ist ein Koop, wie er sein sollte

Entwickler Hazelight hat es geschafft. Mit "A Way Out" kommt einer der innovativsten Koop-Titel auf den PC, die PS4 und die XB1.
Irgendwie flog "A Way Out" vor seinem Erscheinen immer etwas unter dem Radar der Zocker. Das Konzept, zu zweit aus einem Gefängnis auszubrechen, klang zwar nett, ein Hype entwickelte sich wie damals beim Erscheinen der Serie "Prison Break" aber nicht. Nun ist "A Way Out" erschienen und der Test zeigt, dass sich das Abenteuer jede Menge Aufmerksamkeit verdient hätte.

Im nur zu zweit zu spielenden Game schlüpft ein Gamer in die Rolle von Leo, der andere von Vincent. Leo, ein Großmaul und Haudrauf, sitzt schon lange ein und hat keinerlei Problem damit, die nächste Gefängnishof-Schlägerei anzuzetteln. Vincent hingegen ist neu in der Zelle, setzt seine grauen Zellen ein und versucht sich wenn möglich aus Konflikten herauszuhalten.

Die Spieler entscheiden selbst, welchen Charakter sie steuern möchten, der jeweilige Mitspieler übernimmt online oder lokal den Gegenpart. Gespielt wird dann im Splitscreen-Modus, beide Zocker sehen also, was der Partner gerade treibt. "A Way Out" ist aber mehr als ein Splitscreen-Game, es beinhaltet auch starke, kinoreife Szenen und kann genauso gut als Filmerlebnis herhalten.

Im Alleingang funktioniert nichts

Leo und Vincent raufen sich im Knast zusammen, nachdem sie nach eigenen Angaben beide unschuldig einsitzen. Nachdem dies aber wahrscheinlich so gut wie jeder Häftling behauptet, bleibt nur eine Möglichkeit: "A Way Out", ein Weg nach draußen, ein Gefängnisausbruch. Und schon geht das Koop-Geplänkel los, man besorgt sich Werkzeug, lenkt Wachen ab, besticht oder bedroht Wärter und kundschaftet ihre Kontrollwege aus.

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CommentCreated with Sketch.1 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Schon hier müssen die beiden Spieler fest zusammenarbeiten, sonst bleibt das Gefängnis der Ort des Geschehens. Was schade wäre, denn nur ein Bruchteil des Spiels findet tatsächlich hinter schwedischen Gardinen statt. Überraschend schnell kann man in nur etwas über einer Stunde – Zusammenarbeit vorausgesetzt – in Freiheit sein. Weitere gut vier Stunden warten danach, in denen man die Flucht, emotionale Begegnungen, aber auch geplante Straftaten erlebt.

Fünf spannungsgeladene Stunden

Auch wenn insgesamt fünf Stunden wenig wirken, die Entwickler bieten darin eine solche Spannung auf, dass kein Moment langweilig ist. Die Handlung ist stark erzählt, strotzt vor Emotionen und unterbricht ruhige Momente immer in den passenden Augenblicken mit Action-Spektakeln. Zudem erlebt die Handlung eine Wende, die unvorhergesehen kommt und nicht gekünstelt wirkt.

Ebenso gut funktioniert auch das Gameplay. Rätsel und Aufgaben wurden nicht irgendwie zurecht gebogen, um dem Koop zu entsprechen, sondern sind immer sinnvoll und nachvollziehbar eingesetzt. Das beginnt schon damit, dass der eine Spieler in mühevoller Kleinarbeit einen Fluchttunnel bauen soll und darauf angewiesen ist, dass der andere rechtzeitig Bescheid gibt, wenn ein Gefängniswärter auftaucht. Die menschliche Komponente ist beim Zusammenspiel extrem stark – wohl ein Grund dafür, dass die Entwickler es nicht ermöglichen, einen KI-gesteuerten Partner in einem Singleplayer-Modus zu nutzen.

Nur eine Vollversion notwendig

Hazelight gibt "A Way Out"-Spielern aber ein nettes Zuckerl mit: Nicht nur lokal, auch online braucht der Spielpartner keine Version des Spiels. Wer eine Vollversion besitzt, kann einen Freund einladen, der dann kostenlos über eine Free-Trial-Version ins Spiel einsteigt und den Häftlings-Kollegen mimen kann. Bei einem Preis von rund 30 Euro ein extrem faires Angebot.

A Way Out ist ein Koop, wie er sein sollte
A Way Out ist ein Koop, wie er sein sollte


Abseits davon hat das Game nur ein Problem: ohne Matchmaking-System wartet man etwas lange, bis ein Mitspieler im Game auftaucht. Völlige Freiheit darf man von "A Way Out" nicht erwarten, denn schon aufgrund der Spiellänge und dem Koop werden viele Szenen in vorgeschriebene Ereignisse gezwungen und auch wenn man sich in Spielmomenten komplett anders entscheidet als beim letzten Durchlauf, führt alles immer wieder zum selben Ende hin. Das Spiel speichert den Fortschritt übrigens automatisch, mit demselben Partner kann man jederzeit dort einsteigen, wo man aufgehört hat.

Koop, wie er sein sollte

In punkto Steuerung ist "A Way Out" auf ähnlichem Anforderungs-Niveau wie die "Telltale"-Spiele. Bedeutet, dass meist ein Druck auf eine Taste reicht, um das notwendige Ereignis auszulösen. Durchbrochen wird das nur manchmal von Schießereien oder Fluchtmanövern und Minispielen. Optisch gibt es dagegen nichts zu meckern, Umgebungen, Kamerafahrten, Charaktere und Animationen wurden schön umgesetzt, wirken natürlich und unterstützen die emotionale Geschichte.

Auch der ruhige Soundtrack, der bei Action anschwillt, sowie die Sprachausgabe sind toll getroffen. Das Risiko, einzig und allein auf Koop zu setzen, hat sich jedenfalls gelohnt. Auch wenn "A Way Out" nur ein Vorgeschmack darauf ist, was alles im Koop möglich wäre, ist es doch ein Paradebeispiel dafür, wohin der Weg gehen sollte.

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