A4-Schlepper werden des Mordes angeklagt

Gegen elf Schlepper, in deren Lkw 71 Leichen von Flüchtlingen auf der A4 gefunden wurden, wird Anklage erhoben.

Bei dem Flüchtlingsdrama auf der A4-Ostautobahn entdeckten am 27. August 2015 Einsatzkräfte die Leichen von 71 Flüchtlingen in einem Kühllaster. Nach und nach wurden elf Schlepper ausgeforscht und festgenommen, die des Dramas schuldig sein sollen. Anfang April hatte die ungarische Polizei die Ermittlungen abgeschlossen und ihre Anklage-Empfehlung an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet.

Nun werden die Schlepper wegen Mordes und Schlepperei im Rahmen einer kriminellen Vereinigung angeklagt, teilt der Chefankläger der Oberstaatsanwaltschaft des Komitats Bacs-Kiskun, Laszlo Nanasi, mit. Die Schlepper stammen aus Afghanistan, Bulgarien und dem Libanon. Neun Personen befinden sich in U-Haft, nach zwei Männern wird gesucht.

Leichen verwesten bereits

Das Drama hatte über die Grenzen von Österreich hinaus schockiert. Rekonstruiert wurde, dass Der Kühllaster am 26. August frühmorgens östlich von Budapest gestartet war, in Kecskemét sollen die Flüchtlinge eingeladen worden sein. Nach der Überquerung der Grenze bei Nickelsdorf wurde der Lkw dann in einer Nothaltebucht der Ostautobahn A4 zwischen Neusiedl am See und Parndorf abgestellt.

Ein Asfinag-Mitarbeiter entdeckte das Fahrzeug bei Mäharbeiten am 27. August und alarmierte die Polizei. Die Beamten berichteten später, dass aus dem Laster bereits Verwesungsflüssigkeit tropfte. Beim Öffnen des verschlossenen Laderaums konnte die Zahl der Toten vorerst nicht festgestellt werden, erst war von 20 Toten ausgegangen worden. Erst bei einer genauen Durchsuchung wurden schließlich 71 Leichen gezählt.

Todesursache: Ersticken

Unter den Toten waren 59 Männer, acht Frauen und vier Kinder,

ein Mädchen davon im Kleinkindalter. Der Großteil stammte aus dem Irak, Syrien, Afghanistan und dem Iran. Die genaue Todesursache konnte lange nicht geklärt werden, sie lautete später auf Ersticken in Verbindung mit großer Hitze. Spuren wiesen darauf hin, dass die Flüchtlinge verzweifelt versucht hatten, den Laster von innen aufzubrechen.

15 Menschen wurden in Österreich begraben, die meisten Opfer in ihre Heimatländer überführt. Noch im August wurden drei mutmaßliche Schlepper in Ungarn festgenommen, sie lieferten die Spur auf weitere Beteiligte. Die ungarische Polizei warf dann im April 2017 neun Männern eine Beteiligung vor und kam zum Schluss, dass die Flüchtlinge noch vor der Grenzüberquerung nach Österreich in Ungarn gestorben seien. Nach zwei flüchtigen Schleppern werden noch gesucht. (rfi)

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