Eurofighter bleiben, Ende für Saab-105 noch heuer fix

Verteidigungsministerin Klaudia Tanner legt die österreichische Luftraum-Überwachung zur Gänze in die Hände der Eurofighter-Piloten.

Der veraltete Düsenjäger Saab-105 des Bundesheeres hat nach einem halben Jahrhundert ausgedient, einen neuen Nachfolger wird es nicht geben. Stattdessen sollen die Eurofighter mit ihrer aktuellen Ausstattung die komplette Luftraumüberwachung der Republik übernehmen – zumindest bis ein Ausstieg aus dem umstrittenen Vertrag möglich ist. Das hat das Verteidigungsministerium am heutigen Montag nach einer Aussprache mit den Wehrsprechern der Parlamentsparteien angekündigt.

"Die Republik Österreich wird weiterhin alle Rechtsmittel ausschöpfen, um das Ziel zu erreichen, aus dem Eurofighter-Vertrag auszusteigen und von Eurofighter entschädigt zu werden. Bis zur endgültigen Entscheidung der Justiz werden keine Entscheidungen in Bezug auf die Luftraumüberwachung getroffen, die die Position Österreichs gegenüber Eurofighter verschlechtern würden", erklärt Klaudia Tanner (ÖVP) in einer Aussendung.

Eine Saab-105 des österreichischen Bundesheeres am Flughafen Linz-Hörsching
Eine Saab-105 des österreichischen Bundesheeres am Flughafen Linz-Hörschingpicturedesk.com/APA/Bundesheer

Aus diesem Grund werden die alten Saab-105 nun bis Ende des Jahres "ausgephast" und nicht nachbeschafft. Damit ist auch das bislang von Österreich betriebene 2-Flotten-System für die aktive Luftraumüberwachung Geschichte. Schon jetzt würden 94 Prozent der Einsatzbereitschaft in der Luftraumüberwachung durch die Eurofighter abgedeckt, so das Verteidigungsministerium weiter. Sie sollen in Zukunft komplett übernehmen.  

Eine Flotte, zwei Flotten, ...?

Das Manko, dass sich das Bundesheer zur Gänze auf einen Typ Abfangjäger verlassen müsse, werde durch andere Vorteile der neuen Lösung wieder aufgehoben: Tanner erklärt, dass keines unserer Nachbarländer ein 2-Flotten-System führen würde. Zudem hätten sich zwei von drei Expertenkommissionen (durch die damaligen Minister Doskozil und Kunasek initiert) den Umstieg auf ein 1-Flotten-System empfohlen und von einer Nachbeschaffung abgeraten. Einzig der Starlinger-Bericht empfehle, eine zweite Flotte zur Unterstützung der Eurofighter sowie zum Training anzuschaffen.

"Klar ist, dass die Republik Österreich das Verfahren gegen Airbus mit größtem Nachdruck weiterverfolgt", so Tanner. Eine Übergangslösung sei, egal welcher Empfehlung man gefolgt wäre, notwendig. 

"Um in den nächsten maximal zehn Jahren den österreichischen Luftraum zu sichern, müssen wir ein bis zwei Piloten pro Jahr ausbilden. Nur dafür ein zweites System anzuschaffen, ist weder militärisch notwendig, noch von den Kosten her zu verantworten", führt Generalstabschef Robert Brieger weiter aus. "Die derzeit auf der Saab 105 OE eingesetzten Piloten und Werftmitarbeiter werden dringend für andere Luftflotten des Bundesheeres benötigt. Die Ausbildung wird künftig, wie bisher, auch im Ausland stattfinden."

50 Jahre Saab-105

Insgesamt 40 Maschinen vom Typ Saab-105 OE wurden ab 1970 für das österreichische Bundesheer angeschafft, zuletzt waren noch 12 davon im Einsatz. Neben Aufklärungsflügen wurden sie auch für Schulungszwecke eingesetzt. Ihre Besonderheit – beide Piloten sitzen wie bei einer zivilen Passagiermaschine nebeneinander – machte sie dafür nahezu ideal.

Durch ihren Wegfall besitzt das Bundesheer, abgesehen von den Eurofightern, keine anderen Maschinen mehr, die ein eindringendes Flugzeug in der Luft abfangen bzw. eskortieren könnten. Die ebenfalls alternden Pilatus PC-7 erreichen nur eine Höchstgeschwindigkeit von 556 km/h und sind damit langsamer als etwa die Reisegeschwindigkeit einer Boeing 737.

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